Ministerpräsident Ivars Godmanis begründete die Übernahme von 51 Prozent der Anteile damit, dass nur so die Stabilität des lettischen Finanzsystems gesichert werden könne. Den bisherigen Haupteignern, den beiden Großaktionären Valery Kargin und Vladimir Krasovitsky, zwei aus Russland stammende Geschäftsmännern, zahlt die Regierung für die Aktien einen symbolischen Betrag von je einem Lat (1,4 Euro).

Ende vergangener Woche hatten zahlreiche Privatkunden bei Parex aus Angst vor einem Zusammenbruch ihre Einlagen abgezogen. Godmanis erklärte, dass Lettland nach derzeitigem Stand keine Hilfe beim Internationalen Währungsfonds (IWF) erbitten müsse. Man werde dies im Bedarfsfall aber tun.

Auch trotz der auf 15 Prozent gestiegenen Inflationsrate, eines gigantisch gewachsenen Zahlungsbilanzdefizits und der Erwartung von Minuswachstums hält Lettlands Regierung auch weiterhin am Plan fest, 2011 den Euro einzuführen.

Die Parex-Gründer und bisherigen Haupteigner Kargin and Krasovitsky hatten die Lage ihrer Bank noch Ende Oktober als gesund bezeichnet und für die ersten drei Quartale des Jahres einen Gewinn von 12 Millionen Lat ausgewiesen.

Der lettische Bankensektor wird mit dem landesweit größten Geldinstitut Swedbank und weiteren Banken von schwedischen Eignern dominiert. In Stockholm hieß es aus mehreren Bankzentralen, dass keine Zusammenbrüche der führenden Banken zu befürchten seien. Allerdings müsse man den massiven Abzug von Kundeneinlagen Anfang der Woche befürchten.

Die Banken in den drei baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen galten seit Ausbruch der internationalen Finanzkrise wegen ihres stark fremdfinanzierten Wachstums als akut gefährdet. Als erste besonders hart von der Finanzkrise betroffene Länder haben Island und Ungarn IWF-Kredite beantragt.