Nur rund eine Woche nach seiner Wahl zum künftigen US-Präsidenten ist Barack Obama zu einem Treffen mit dem republikanischen Amtsinhaber George W. Bush im Weißen Haus nach Washington gereist. Auf Einladung des Republikaners und First Lady Laura Bush wollten Obama und seine Frau Michelle zunächst ihr neues Domizil besichtigen. Anschließend wollten sich Bush und Obama dann im Oval Office zu einem politischen Gespräch zusammensetzen.

Der Demokrat hatte im Vorfeld auf einer Pressekonferenz gesagt, er erwarte einen "substanziellen Meinungsaustausch" und komme im "Geist der Überparteilichkeit" nach Washington. Der Republikaner seinerseits hatte dem künftigen Präsidenten nach dem Wahlsieg am 4. November einen "reibungslosen Übergang" und volle Kooperation bei der Vorbereitung der Machtübergabe zugesichert. Angesichts der häufigen Angriffe Obamas gegen Präsident Bush im Wahlkampf kommentierten am Montag aber viele Medien, die Begegnung könne für beide Seiten unbehaglich sein - "vielleicht unangenehm", wie es beispielsweise in der New York Times hieß.

Kurz vor dem Treffen war bekanntgeworden, dass das Obama-Team eine Liste von etwa 200 Bush-Verfügungen zusammengestellt hat, die schon kurz nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten rückgängig gemacht werden könnten. Darunter sind nach einem Bericht der Washington Post etwa Maßnahmen zum Klimawandel, zur Stammzellenforschung und zum Abtreibungsrecht. 

Der neue Präsident werde aber etwaige Änderungen erst nach Beratungen mit seinen Kabinettsmitgliedern bekanntgeben, hieß es am Montag in der New York Times unter Berufung auf wichtige Obama-Berater. Zu ihnen gehört John Podesta, ein ehemaliger Mitarbeiter von Präsident Bill Clinton und jetzt Leiter des Obama-Teams, das den Regierungswechsel vorbereitet. "Senator Obama wollte alle Bush-Entscheidungen überprüft haben und entscheiden, welche beibehalten, welche widerrufen und welche verändert werden sollten - und dies geschieht zur Zeit", bestätigte er am Sonntag dem Sender Fox News .

Die umstrittenen Maßnahmen zur Forschung an Stammzellen sind nach Angaben der Republikanischen Senatorin Diana DeGette nicht gesetzlich verankert worden und können deshalb per Verfügung wieder kassiert werden. Bush hatte die finanzielle Förderung der Forschung gedeckelt.

Obama kündigte auch an, die Entscheidung zurückzunehmen, die es dem Bundesstaat Kalifornien verbot, sehr strenge Abgasrichtlinien für Autos einzuführen. Erwartet wird auch, dass er die Verfügung zurücknimmt, die Initiativen zur Familienplanung von finanzieller Unterstützung ausnimmt, die auch zum Thema Abtreibung beraten. Das betraf auch Länder, in denen Abtreibung legal ist.