Der Schönheitswettbewerb ist in vollem Gange. Ob Sarkozy, Merkel, Berlusconi, Zapatero oder Gordon Brown, sie alle buhlen um die Gunst des designierten amerikanischen Präsidenten. Weshalb alle Europäer unbedingt beim G-20-Gipfel Ende dieser Woche in Washington dabei sein wollen. Denn am Rande dieses Treffens zur weltweiten Finanzkrise winkt die Gelegenheit zu einer ersten Begegnung mit der messianischen Lichtfigur. Als amtierender EU-Präsident besitzt Sarkozy einen Startvorteil. Bis zum Jahresende spricht er für die EU, nachdem er es geschafft hat, seine europäischen Kollegen in der Finanzkrise auf eine einheitliche Linie einzuschwören.

Sarkozy ist es darüber hinaus gelungen, das einst heillos zerrüttete französisch-amerikanische Verhältnis zu bereinigen und Frankreich als verlässlichen Partner der USA zu etablieren. Dagegen bleibt Bundeskanzlerin Angela Merkel nur ein vergleichsweise magerer Bonus: Nirgendwo sonst in Europa wurde Obama bei seiner europäischen Tour so euphorisch bejubelt wie in Berlin. Allerdings war der Beifall immer dann ausgeblieben, wenn er die Partner Amerikas an ihre Verantwortung erinnerte, etwa für Afghanistan.

Erleichtert ist zudem Spaniens Ministerpräsident Zapatero, denn nach wochenlangem diplomatischen Tauziehen darf er nun doch an der Konferenz in Washington teilnehmen. Das war lange fraglich wegen der vereisten Beziehungen zu den USA, nachdem Zapatero nach seinem Wahlsieg unverzüglich den Abzug aller Truppen aus dem Irak angeordnet hatte. Abschreiben kann man wohl Silvio Berlusconis ohnehin geringen Aussichten, zum Kreis der bevorzugten Gesprächspartner des künftigen Präsidenten zu zählen, auch wenn seine Bemerkung vom "jungen, gut aussehenden und sonnengebräunten Obama" als Kompliment gedacht war.

Und Gordon Brown? Wie jeder britische Premier genießt er das Plus der "Special Relationship", die auf Geschichte, Sprache, Kultur und zahlreichen gemeinsamen Waffengängen beider Nationen basiert. Fraglich ist allerdings, ob diese Faktoren bei Obama noch denselben Stellenwert besitzen. Zumindest hat Brown rechtzeitig darauf geachtet, auf Distanz zu Bush zu gehen und anzudeuten, dass er eigentlich, ganz ähnlich wie Barack Obama, vom Irakkrieg nie überzeugt war. Es mag sich dabei ein wenig um Geschichtsklitterung handeln, doch der Wettbewerb um Gunst und Ohr des neuen amerikanischen Präsidenten darf man nicht zimperlich sein.

Der britische Premier muss sich schließlich nicht nur europäischer Rivalen erwehren. Auch zu Hause sitzt ihm mit David Cameron ein gefährlicher Konkurrent im Nacken. Der junge Torychef ist entschlossen, etwas vom Glanz des Wahlsiegers Obama abzubekommen. Kaum hatte die amerikanische Nation den neuen Präsidenten gekürt, war in London der Kampf um Obama entbrannt. In einem parlamentarischen Schlagabtausch versuchten sich Brown und Cameron gegenseitig zu übertrumpfen: Er habe mit Obama zehn Minuten lang telefoniert, dabei die wichtigen Probleme der Welt angerissen und in ihm einen Mann gefunden, der enge Freundschaft zu Großbritannien empfinde, sagte Brown. Seine unausgesprochene Botschaft lautete: "Schaut her, ich habe die Nummer von Obamas Handy, wenn das nicht auf eine exklusive Beziehung hindeutet."

Cameron, nicht auf den Mund gefallen, schlug zurück: Ob Brown auch dem siegreichen Obama entgegengehalten habe, dies seien "keine Zeiten für Lehrlinge"? Mit diesem Spruch hatte der Premier versucht, Cameron als unerprobten Politiker abzuwatschen, dem man in brisanten Krisenzeiten das Land nicht überlassen dürfe. Camerons unausgesprochene Botschaft: "Ich habe mit Obama, als er in London weilte, im Londoner Nachtclub Annabelle Stepdance getanzt. Anders als Brown sind wir beide jung, dynamisch und verkörpern 'change', den Wandel, der auch in Großbritannien überfällig ist."