Gordon Brown, 15 Jahre älter als Cameron, nach 11 Regierungsjahren ein wenig abgestanden wirkend, kann nur darauf hoffen, dass die letzten Wochen ihn als erfahrenen, unverzichtbaren Krisenmanager ausgewiesen haben, dessen Rezepte auch Amerika und Europa übernahmen. Der überraschende Sieg der Labourparty bei einer schottischen Nachwahl hat Gordon Brown innenpolitisch gestärkt und damit auch seine internationale Rolle gefestigt. Er kann damit rechnen, mit seinen Plänen für die Regulierung der internationalen Finanzmärkte und die Reform des IWF bei Barack Obama ein offenes Ohr zu finden.

Barack Obama und seine Berater werden kühl und unsentimental Huldigungen und Anbiederungen der Europäer zur Kenntnis nehmen. Entscheidend wird allein sein, ob sie den Vorstellungen des neuen Präsidenten entsprechen werden. Die künftige Administration ist sich der unrealistischen, teilweise geradezu illusionären Erwartungen bewusst, die sich selbst in Europa an Obamas Präsidentschaft knüpfen, ob über Irak, Klimaschutz oder Iran. Weder wird der künftige Präsident den sofortigen Abzug aus dem Irak anordnen - das wäre "verantwortungslos", erklärte kürzlich ein Berater Obamas in London - noch wird er gegenüber Iran und Pakistan einen sanfteren Kurs einschlagen. Eher könnte es härter zugehen.

Vor allem erwartet Obama aber mehr Anstrengungen von den Verbündeten, vor allem in Afghanistan. Das wird Angela Merkel Kopfschmerzen bereiten, denn Barack Obama verlangt von Deutschland nicht nur mehr, sondern auch voll einsatzfähige Truppen. Hier zumindest hat Gordon Brown die besseren Karten im Spiel um die Gunst des künftigen Präsidenten; London leistete bislang schon weitaus mehr als andere Nato-Länder. Eines ist schon jetzt klar: Die Euphorie über den neuen Hausherren im Weißen Haus wird sich auch in Europa rasch verflüchtigen.