Als Stabschef im Weißen Haus entscheidet der für seine kämpferische Art bekannte Rahm Emanuel über den Zugang zum Staatschef und formuliert die Grundzüge der Regierungspolitik mit. Seine Position ist mit der des Kanzleramtsministers oder -chefs in Deutschland vergleichbar.

Der wie Obama in Chicago wohnende 47-jährige Emanuel ist seit 2003 Mitglied im Repräsentantenhaus. In der Fraktion der Demokratischen Partei rangiert er an vierter Stelle. Er ist Mitglied im mächtigen Haushaltsausschuss und war unlängst an den Verhandlungen über das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die Finanzwirtschaft beteiligt. In den neunziger Jahren war der Vater dreier Kinder ein wichtiger Berater von Präsident Bill Clinton. Zeitweilig arbeitete Emanuel auch als Investmentbanker.

Der neu gewählte US-Präsident Barack Obama drückt auch nach seinem Wahlsieg aufs Tempo: Am heutigen Freitag trifft er sich in Chicago mit seinem Übergangsteam und möglichen Ministern seiner künftigen Regierung. In Washington wird erwartet, dass Obama bereits in Kürze erste Minister ernennt, vor allem für finanzpolitische Schlüsselpositionen . Unmittelbar danach will er eine erste Pressekonferenz als designierter Präsident geben. Es heißt, Obama werde auch in den Ende kommender Woche geplanten Welt-Finanzgipfel eingebunden, der in Washington stattfindet.

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Wie der US-Sender CNN berichtete, nahm er bereits mit einer ganzen Reihe von Staats- und Regierungschefs Kontakt auf: So telefonierte er gestern mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, dem britischen Premierminister Gordon Brown, Australiens Ministerpräsident Kevin Rudd, dem kanadischen Ministerpräsidenten Stephen Harper, Israels amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert, Japans Regierungschef Taro Aso, dem mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón und dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak.

In Washington dreht sich unterdessen das Personalkarussell. Vor allem über die Besetzung des Finanzressorts wird spekuliert. Unter anderem kursierten die Namen Timothy Geithner, Lawrence Summers und Paul Volcker. Geithner half beim Umgang mit der Finanzkrise in diesem Jahr, Summers war bereits Finanzminister unter Clinton, und Volcker war zehn Jahre lang Chef der US-Notenbank.

Das Übergangsteam wird von dem früheren Clinton-Mitarbeiter John Podesta, der Obama-Beraterin Valerie Jarrett und Pete Rouse, Obamas Stabschef im Senat, geleitet. Zu der Mannschaft gehört auch Susan Rice, die in US-Medien als mögliche nationale Sicherheitsberaterin in einer Regierung Obama gehandelt wird. Sie war im Wahlkampf Obamas außenpolitische Chefberaterin. Das Team soll die Regierungsübernahme vorbereiten.

Am kommenden Montag wollen Bush und seine Ehefrau Laura das Ehepaar Obama im Weißen Haus empfangen. Dabei werde es auch einen Rundgang in den Privaträumen geben, kündigte eine Sprecherin im Weißen Haus an.