Der Streit zwischen GM und Opel ist nicht neu. Vor allem die kulturelle Distanz zwischen den USA und Deutschland schafft seit Jahrzehnten Probleme. Seit den 60er Jahren waren die Opel-Chefs fast ausnahmslos US-Amerikaner, die zwar die Kosten senkten, dabei aber allzu oft die Qualität aus dem Auge verloren. Mängel und Pannen häuften sich. Der Marktanteil lag in Deutschland 1993 noch bei mehr als 17 Prozent - zuletzt waren es im Oktober 2008 gerade einmal 7,2 Prozent. Doch in den vergangenen Jahren hat Opel in puncto Qualität und Design aufgeholt und baut nach Expertenmeinung wieder gute Autos.

"Für Opel ist die Entwicklung bei GM tragisch, weil sie mit guten Modellen gut aufgestellt sind", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. Nun aber verdunkeln die GM-Probleme die Markteinführung des neuen Mittelklassewagens Insignia, der in der kommenden Woche bei den Autohändlern stehen wird. Zudem gräbt der neue Golf des Konkurrenten Volkswagen dem Astra das Wasser ab - der neue Astra kommt erst 2009 auf den Markt. "GM darf jetzt auf keinen Fall bei den Entwicklungskosten sparen, sonst wird es eng für Opel", sagt Diez. In den nächsten fünf Jahren will Opel neun Milliarden Euro in neue Modelle investieren - wenn das Geld denn da ist.

Ausgerechnet um das Internationale Technische Entwicklungszentrum (ITZ) in Rüsselsheim, wo 6000 gut bezahlte Ingenieure die Plattformen für die Mittel- und Kompaktwagenklasse entwickeln, hat der Betriebsrat am meisten Angst. Ein vom US-Staat massiv gestützter GM-Konzern könnte die für Rüsselsheim wichtigen Entwicklungsaufgaben nach Detroit abziehen, heißt es. Die angedachte Fusion "der beiden Fußkranken GM und Chrysler zu einem neuen Marathonläufer" würde den
Prozess beschleunigen, sagt Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz.

Die Marke mit dem Blitz ruft in dieser Krisensituation jetzt ihrerseits nach dem Staat und verlangt günstige Kredite für Neuwagenkäufer. In hessischen Wahlkampfzeiten bekommt Opel zwar Rückendeckung von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) - doch Bundespolitiker haben bereits abgewunken.

Manch ein Opelaner wünscht sich, endlich vollständig aus dem Schoß der ungeliebten US-Mutter wegzukommen. "Ein Verkauf wäre die beste Lösung", sagt der Autoexperte des Bankhauses Metzler, Jürgen Pieper. Kleinwagen wie der Astra und Corsa hätten gute Chancen auf dem Markt. "Es gäbe derzeit aber keinen Käufer, weil der ein paar Milliarden Euro aufbringen und zusätzlich viel in neue spritsparende Technologien investieren müsste", erklärt sein Kollege Stürmer. Und letztlich glaube niemand ernsthaft, dass GM seine wertvollste Firma tatsächlich verkauft.

(Von Marion Trimborn, dpa)