ZEIT ONLINE: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ESPN oder Murdoch Übertragungsrechte an der Bundesliga sichern?

Kai Pahl: Die große Unbekannte ist die Deutsch Fußball Liga (DFL). Auf ihre Strategie kommt es an. Wenn sie die Pay-TV-Rechte so verkauft wie immer, also komplett, dann rechne ich nicht mit ESPN oder einem anderen Konkurrenten von Premiere. Die kompletten Rechte zu kaufen wäre vermutlich ein zu großer Schritt für einen Neuling, so wie Arena vor drei Jahren. Doch wenn die DFL Einzelpakete verkaufen sollte, etwa das Samstagsspiel um 18.30 Uhr, dann könnte ich mir vorstellen, dass ESPN zuschlägt.

ZEIT ONLINE: Was würde sich ein amerikanischer Sender von deutschem Fußball versprechen?

Pahl: Die Bundesliga könnte das erste europäische Schlachtfeld werden, auf dem sich Murdoch und Disney begegnen. Beide scheinen auf den paneuropäischen Markt zu zielen. Doch letztlich könnte es sich bloß um einen ersten Vorgeschmack handeln, denn nächstes Jahr wird es um die Premier-League-Rechte gehen – ein viel kostbareres Sportgut.

ZEIT ONLINE: Würde ein Zuschlag für einen amerikanischen Sender die Bundesliga-Berichterstattung ändern? Hätten deutsche Fußballfans darunter zu leiden?

Pahl: Zumindest ist keine Verschlechterung zu fürchten, denn flacher und unkritischer geht es ohnehin nicht mehr – und zwar in allen Sendern. Premiere ist allenfalls der Einäugige unter den Blinden. Der niedrige Standard hängt auch damit zusammen, dass die DFL beispielsweise Premiere einen engen Zeitrahmen steckt: Premiere darf am Freitagabend nur bis 22.30 Uhr Nachberichterstattung senden, weil dann im DSF die Zweite Liga beginnt. So wird Premiere dazu gezwungen, mit heißer Nadel zu stricken. In den jetzigen Verhandlungen sollten die Bieter auf mehr Freiraum bestehen. Ich kann mir zudem nicht vorstellen, dass ESPN auch den "ESPN-Flair" nach Deutschland bringen würde. Ich glaube, es würde eher ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten aus der deutschen Fußball-TV-Szene geben.


Die Fragen stellte Oliver Fritsch.
 

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