Dass die Automobilindustrie derzeit nicht der Favorit am Aktienmarkt ist, hat sich schon herumgesprochen. Die Rezessionsangst hat die Branche mit voller Wucht erwischt, und bei Autoherstellern auf der ganzen Welt rauschen die Absatzzahlen in den Keller. Erst vor wenigen Tagen hat sich BMW von seinen Umsatz- und Gewinnzielen verabschiedet. Daimler schickt seine Arbeiter zwangsweise in einen vierwöchigen Weihnachtsurlaub, Volkswagen will sich von tausenden Leiharbeitern trennen und sogar beim erfolgsverwöhnten Sportwagenbauer Porsche brach der US-Absatz um fast 40 Prozent ein.

Für einen regelrechten Schock sorgte am Donnerstag der japanische Autokonzern Toyota mit einer drastischen Gewinnwarnung: Der Konzern, der die Detroiter Giganten das Fürchten gelehrt hat, befürchtet nun selbst einen Rückgang des Gewinns um zwei Drittel. Wohl dem, der in den vergangenen Monaten keine Automobilaktien im Depot hatte.

Anleger tun gut daran, bei ihrer Branchenauswahl auch mögliche Kollateralschäden der Autokrise in Betracht zu ziehen. Der Absatzrückgang trifft zuerst die Hersteller ganz direkt – doch in der zweiten Reihe stehen Zulieferer und Dienstleister, die die Auswirkungen der Krise oft erst mit zeitlicher Verzögerung zu spüren bekommen.

Die ersten Opfer in der Krisenkette sind die Zulieferer, die wegen der Just-in-Time-Beschaffung ihre Produktion fast zeitgleich mit ihren Kunden kürzen müssen. Wie die Folgen aussehen, zeigt sich eindrucksvoll in den Aktienkursen von Automobilzulieferern wie dem Kabelspezialisten Leoni oder dem Bremsen-, Elektronik- und Reifenlieferanten Continental.

Doch mit zeitlicher Verzögerung drohen weitere Verlustrisiken, die nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind. Beispielsweise bei Zeitarbeitsfirmen wie Adecco, Manpower oder Randstad: Im Aufschwung profitierte die Branche davon, dass die Industrie – davon zu einem großen Teil die Autohersteller – ihre Kapazitäten auf flexible Weise mit Leiharbeitern ausbaute. Doch diese werden nun im Abschwung als erste nach Hause geschickt. Damit droht den Anbietern Umsatz und Gewinn wegzubrechen, wenn sie es nicht schaffen, die bei Autoherstellern und -zulieferern entlassenen Leiharbeitskräfte schnell wieder anderweitig unterzubringen.

Auch Unternehmen, die sich als Ausrüster für die Produktion positioniert haben, dürften mit zeitlicher Verzögerung unter der Entwicklung leiden. So gibt der Maschinenbauer Kuka, der automatisierte Produktionsanlagen für Autohersteller baut, keine Prognose für das kommende Jahr ab. Da könnte es durchaus sein, dass die Neuaufträge noch mehr als schon bisher publiziert abbröckeln und damit der Aktienkurs auf mittlere Sicht weiter nachgibt. Maschinenbauer wie Gildemeister oder Schuler Pressen beliefern zwar auch andere Branchen, können jedoch nicht immer das Wachstum in anderen Sparten mit dem Schwund im Kreis der Automobilkunden kompensieren.