Acht Jahre nach dem "Kursk"-Unglück gab es am gestrigen Samstag einen weiteren schweren Unfall auf einem atombetriebenen russischen U-Boot, der das Leben zahlreicher Matrosen und Zivilisten forderte. Die russische Marine vermutet ausströmendes Gas im Feuerlöschsystem als Ursache für den Unfall, bei dem weitere 21 Menschen verletzt wurden. Bei dem Gas handelt es sich um Freon, eine Kohlenwasserstoff-Verbindung, die unter anderem auch als Kältemittel in Kühlschränken verwendet wird.

Ein Sprecher der Marine versicherte, dass der Atomreaktor des Bootes unbeschädigt sei: "Die Strahlenwerte an Bord des U-Bootes sind normal". Ersten Erkenntnissen zufolge ereignete sich der Unfall im Bugteil des Bootes. Der Atomreaktor befinde sich im Heckbereich. Das Atom-U-Boot war laut Marine noch in der Testphase und sollte
Ende des Jahres in Dienst genommen werden. Insgesamt waren zum Zeitpunkt des Unglücks 208 Menschen, darunter 81 Marine-Angehörige, an Bord.

Genauere Angaben, etwa zur Zahl der Toten, wollte das Militär zunächst nicht machen. Der Sprecher sagte lediglich, das U-Boot liege im Pazifischen Ozean, und ein russischer Zerstörer, die "Admiral Tributs" sei ihm zu Hilfe gekommen und habe die Verletzten inzwischen zum Stützpunkt des U-Boots in Primorje im äußersten Südosten des Landes gebracht.

Präsident Dmitrij Medwedjew wies noch in der Nacht die Militärführung an, die Ursachen für den Unfall auf dem 110 Meter langen U-Boot der NATO-Klasse Akula-II schnellstmöglich aufzuklären. Nach russischen Medienberichten soll das nun betroffene U-Boot "Nerpa" (Seehund) für die indische Marine fertiggestellt worden sein, was aber von den russischen Behörden dementiert wurde.

Vor acht Jahren waren bei der Explosion eines Torpedos in der Barentsee im russischen Atom-U-Boot "Kursk" alle 118 Mann an Bord ums Leben gekommen. Auslöser war ein schadhafter Torpedo. Der damalige Präsident Wladimir Putin musste sich in seinen ersten Amtsmonaten den Vorwurf gefallen lassen, die russische Führung habe im August 2000 das Ausmaß der Katastrophe über Tage verschleiert.