W. geht, H. kommt. Nach dem George W. Bush nun also Barack H. Obama. Das Kürzel H. steht für Hussein, und das lässt keinen Muslim gleichgültig. Hussein bedeutet "Kleiner Hassan" und leitet sich vom arabischen Wort hasuna ab, was so viel wie schön und gut heißt. Kein Geringerer als Hussein ibn Ali ibn Abi Talib, der Enkel des Propheten, hieß so mit erstem Namen. Kein Wunder also, dass die Wahl Obamas zum 44. US-Präsidenten die muslimische Welt durchschüttelt.

Obamas Siegesrede in der Wahlnacht wurde auf allen Satellitenkanälen von al-Dschasira live übertragen. Gaza? Irak? Afghanistan? Nein, Obama war die Nachricht der Stunde. Zwei Tage danach quellen die muslimischen Blogs und Zeitungen über von überschwänglichem Jubel und voreiliger Verdammung. Obama inspiriert die Teestuben von Kairo bis Kabul.

Fangen wir mit Saladin an, der auf Islam online im Diskussionsforum "Barack Hussein Obama – Was erwarten Sie?" schreibt: "Die Erde bebt. Das ist gigantisch, kosmisch, ungeheuerlich. Wenn die Amerikaner einen Schwarzen zum Präsidenten wählen, warum wählen wir nicht Joe, den Klempner, zum Kalifen?" Die Welt sei ein Ort der Verwirrung, kein Vorurteil stimme mehr. "Allah allein weiß es am besten."

Ihm antwortet Hassan, der vorsichtiger ist: "Ich bin nicht für Obama, aber in seinem Sieg sehen wir die Anstrengung jener Amerikaner, die das Böse mit dem Guten überwinden wollen. Bevor die absolute Wahrheit auf der Erde triumphiert, muss sie dort beginnen, wo das absolute Böse zu finden ist – in Amerika."

Wer ist schon Saladin, wer ist schon Hassan, könnte man sagen. Natürlich sind sie anonyme Blogger, doch in ihren schnell in den Rechner getippten Botschaften lässt sich mehr lesen als in den wohl zurechtgefeilten Kommentaren der ägyptischen oder iranischen Regierungspresse.

In der arabischen Welt gibt es beileibe keine besondere Sympathie für Schwarze, in Ägypten zum Beispiel gelten die dunkelhäutigen Nubier und Sudanesen nicht als schön. Früher waren sie die Sklaven der Araber. Heute langen manche Ägypterinnen morgens vorm Spiegel in den Topf mit "B-White-Cream" zur vorsichtigen Aufhellung des Teints. Obama also ist bei Arabern nicht als Schwarzer attraktiv, sondern als Präsident mit einem muslimischen Namen und als Abweichung von der weiß-protestantisch-angelsächsischen Norm.