ZEIT ONLINE: Herr Zwanziger, wie bewerten Sie die Fälle Ballack gegen Löw und Ballack gegen Bierhoff?

Theo Zwanziger: Ich kann Journalisten gut verstehen, die sauer sind, wenn Sie Stunden auf eine Pressemitteilung warten müssen. Doch es bedurfte eben noch der Abstimmung, bis sie rausgehen konnte. Zur Sache: Es entstehen nun mal Konflikte, wenn solch starke Persönlichkeiten miteinander arbeiten. Ich sage ihnen: Wenn Ihr Euch was zu sagen habt, dann tut das, aber intern! Leider gelingt das nicht immer. Ich war übrigens überrascht, dass das Thema Bierhoff lange nach der EM noch mal aufkam. Und auch das Ballack-Interview traf mich unerwartet.

ZEIT ONLINE: Ist die Sache zwischen Löw und Ballack nun aus der Welt? Der Inhalt der Kritik Ballacks ist nicht verhandelt worden, sondern bloß der Stil.

Zwanziger: Joachim Löw und Michel Ballack haben eine neue Vertrauensgrundlage geschaffen. Die Autorität des Bundestrainers  hat nicht gelitten. Zudem freue ich mich, dass Michael Ballack, ein wichtiger und verdienter Spieler, auf dem schweren Weg nach Südafrika weiterhin dabei ist und Kapitän bleibt. Ich gehe davon aus, dass der Streit die Funktion eines reinigenden Gewitters hat. Es war ein Fehler, die Auseinandersetzung in die Öffentlichkeit zu tragen, aber wir sind alle Menschen. Auch beim Hoyzer-Prozess haben wir inhaltlich gut gearbeitet – und es gab anfangs Missverständnisse. Die Ursache dafür lag in der Doppelspitze (Anm. der Red.: Zwanziger und Gerhard Mayer-Vorfelder teilten sich von 2004 bis 2006 das Präsidentenamt) im DFB-Präsidium. Wenn zwei Leute an der Sache arbeiten, haben sie selten den gleichen Wissensstand. Anderes Beispiel für mangelhafte Kommunikation unter den Beteiligten: Zahl und Zeiten der künftigen Sonntagsspiele in den Bundesligen. Da wurden so viele Modelle in der Öffentlichkeit diskutiert, dass am Ende viele nicht mehr wussten, was nun gelten soll.

ZEIT ONLINE: Beim Thema Sonntagsspiele kollidieren Sie mit dem Amateurfußball. Künftig soll Sonntagnachmittag, wenn die Kreisligen spielen auch in der Bundesliga gespielt werden. An der Basis gibt es weiteren Unmut. Viele Vereine fühlen sich von den Verbänden gegängelt, überreguliert und in Rechtsfällen zu hart bestraft.

Zwanziger: Es ist nicht immer einfach, die Interessensgegensätze zwischen Verband und Verein auszugleichen. Vereine wollen Fußball spielen und übersehen, dass es Regeln gibt, dass der Wettbewerb geordnet werden muss, Schiedsrichter angesetzt werden, Recht gesprochen wird. Der Verband leistet überwiegend ehrenamtlich all dies …

ZEIT ONLINE: … und wird von den Vereinen durch Mitgliedsbeiträge dafür bezahlt.

Zwanziger: Die Vergütungen, die von den Vereinen gezahlt werden, sind im wesentlichen Vergütungen für Dienstleistungen der Verbände. Konflikte wird es  auf diesem Feld aber immer geben, allein schon deshalb, weil der Verband als Kontroll- und manchmal auch als Polizei-Instanz auftreten muss.