Der Fall Zwanziger gegen Weinreich könnte eine groteske Wendung erfahren: Der DFB-Präsident bereitet derzeit eine Klage gegen den Journalisten Jens Weinreich vor, der ihn als "unglaublichen Demagogen" bezeichnet hatte. Laut dem Gießener Anzeiger habe Zwanziger das Wort nun aber selbst benutzt: Auf einer Podiumsdiskussion am vergangenen Donnerstag habe er die Fragen des Moderators Herbert Fischer-Solms als "demagogisch" bezeichnet.

Fischer-Solms habe das Publikum um Abstimmung darüber gebeten gehabt, was die TV-Pläne der Bundesliga für den Amateurfußball bedeuten werden. Zwanziger habe daraufhin mit der Beschwerde über die "demagogischen Fragen" den Saal verlassen und hinzugefügt. Der Gießener Anzeiger zitiert ihn mit den Worten: "Das sind Totschlagargumente, die Sie da anbringen. Wir haben ein Top-Produkt. Ohne Pay-TV ist der Spitzenfußball nicht zu finanzieren".

Fischer-Solms bestätigte ZEIT ONLINE in einem Telefonat den Sachverhalt. Dies habe er auch DFB-Pressechef Harald Stenger mündlich wie schriftlich mitgeteilt und die Korrektheit der Berichterstattung im Gießener Anzeiger versichert. Laut Fischer-Solms habe der Sportchef des Lokalblatts, Albert Mehl, auf die Vermutung erwidert, ob es sich um eine Verwechslung handeln könne: "Dann müssen sich über 200 Leute im Saal verhört haben!" Der Autor des Artikels bleibt ebenso bei seiner Darstellung. Laut DFB hingegen gebe es unterschiedliche Zeugenaussagen.

Auf die Frage, ob der DFB-Präsident den Sachverhalt bestreite, nimmt die DFB-Presseabteilung gegenüber ZEIT ONLINE wie folgt Stellung: "Dr. Theo Zwanziger hat am Samstagabend ein Telefonat mit Herbert Fischer-Solms geführt. Dabei wurde einvernehmlich der Verlauf der Podiumsdiskussion besprochen und im Ergebnis festgehalten, dass zwischen dem Moderator und dem DFB-Präsidenten keine Differenzen bestehen." Zu dem Bericht im Gießener Anzeiger wolle sich der DFB in Kürze äußern.

Welche Folgen dieser Vorfall für die Klage gegen Weinreich haben wird, konnte bislang nicht abschließend geklärt werden. Von einem Rückzug jedenfalls ist seitens des DFB auch auf Nachfrage keine Rede.

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