Ein Rauschen umgibt uns. Ein geduldiger Teppich des Lärms, unter den wir die Welt kehren. Nur was spitz ist, oder nah genug, uns zu treffen, darf hoffen, den Filz des Alltags zu durchstechen. Gemeint sind die Medien, das "Lagerfeuer unserer Zeit". Bilder, Töne, Geschichten, Text. Nachrichten, die auf uns zukommen – brandheiß oder abgekühlt und zugeschnitten für die "Zielgruppe".

Die Frage ist: Helfen sie uns, die Welt zu verstehen? Erreichen sie uns noch, außer als Geräusch?

Hinter jeder medialen Inszenierung muss die Frage stehen: Was ist wirklich? Hinter jedem Lesen: Wahrnehmen. Dieses höchste der Gefühle aber ist per se Ausnahme, Unterbrechung, Erwachen.

Die Regel heißt Routine. Profis machen, was sie am besten können: Abschreiben. Zum Beispiel von der Agenturmeldung. Von Google. Von Walter Benjamin. Aus dem Kulturkalender. Neuer Lack drüber und fertig. Das geht ruck, zuck. Muss es auch.

Es entsteht der Eindruck oberflächlicher Information. Verknüpfungen, die nicht unbedingt falsch sind, aber geschickt von der Tatsache ablenken, dass der Autor nicht weiß, was er sagen möchte. Der Autor füllt nur noch einen vorher festgelegten Platz mit Worten aus. Zeilengeld. Ein Beitrag zum Grundrauschen. Geschäftsmäßig.

Die Routine der Leser, Nutzer, Zuschauer ist nicht weniger ledern. Meistens filtern wir mit halbem Ohr das, was sich sozial verwerten lässt. Mitreden. Soziales Schmiermittel. Ballaststoffe. Austauschbar.

Seit ein paar Jahren gibt es Netzöffentlichkeit, in der sich – so das Vorurteil – schlampig schreiben und schlampig lesen ideal ergänzen. Zahlenmäßig haben die Blogger, Fans, Exhibitionisten, die Selbstberufenen und Ehrenamtlichen die alten Profis längst abgehängt. Das Netzvolk produziert tausendmal mehr content als die bezahlten Schreiber – womöglich mehr, als alles, was je geschrieben wurde zusammen genommen.

Was daraus folgt, ist unklar. Es fehlt nicht an Voraussagen. Vom "Untergang des Abendlandes" bis "Frieden auf Erden" ist alles dabei. Aber als gestern noch heute war, haben wir uns auch schon über das Morgen getäuscht. Lassen wir also das Spekulieren und verengen den Ausschnitt.

Ohne Auftrag schreiben

Ich bin Filmemacher, der durstig auf dem langen Weg zwischen Film und Film 2006 angefangen hat, einen Blog zu betreiben. Parallelfilm heißt es. Ich notiere mir Gedanken, Ideen, berichte von meiner Arbeit und von Aktivitäten anderer. Das alles ohne Zwang, ohne Regelmäßigkeit und ohne ein klares Bewusstsein von einem Gegenüber. Manchmal kommt es zu Berührungen, ein Eintrag zieht Kreise, jedes Mal unerwartet eigentlich. Wenn sich nach besonders schönen Einträgen niemand rührt, schmolle ich und mache lange nichts.