Da wird erstmals der Schweizer Buchpreis verliehen, und gleich gab's Trubel: Adolf Muschg, der große Schweizer Autor, trat am Vorabend der Preisvergabe aus dem Kreis der Nominierten aus. Die Jury und Veranstalter waren verwirrt. Es lenkte zudem auch ein wenig von dem eigentlichen Gewinner ab: Rolf Lappert.

Der in Irland lebende Autor erhielt die mit 50 000 Franken dotierte Auszeichnung für seinen Roman Nach Hause schwimmen. Sein Kollege, der bedeutende und bereits mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller Muschg, war mit seinem neuen Buch Kinderhochzeit nominiert. Die weiteren Favoriten, die aus 84 Bewerbungen ausgewählt worden waren, waren Lukas Bärfuss (Hundert Tage), Anja Jardine (Als der Mond vom Himmel fiel) und Peter Stamm (Wir fliegen).

Aber erstmal von vorne: In einer Industriehalle in der Nähe des Baseler Messeplatzes wurde die neue Messe mit integriertem Festival ausgerichtet. Sie ist die Nachfolgerin für die ehemalige "BuchBasel", die am Ende zu wenig Publikum zog und aus der die Messe Schweiz Ende 2007 ausgestiegen war. Aber die Literatur soll mit "Buch.08" in verschlanktem Format ihren Standort behalten und hat nun eben auch einen eigenen Preis, der, wenn möglich, irgendwann einmal die Bedeutung des Deutschen Buchpreises erhalten soll.

Der Preis, gedacht als "nationale Auszeichnung für ein herausragendes erzählerisches oder essayistisches Werk" und gleichzeitig als Werbung für die Schweizer Autoren, wird vom Verein Literaturfestival Basel und dem Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband ausgelobt. Noch ist es allerdings kein nationaler Preis: Die französischsprachigen, die Tessiner und die Rätomanischen Autoren fehlten.

Die deutschsprachige Schweizer Literatur – Sachbücher und Belletristik – wurde also vier Tage lang gefeiert. In der Lese-Halle brachten weiße und graue aufgeblasene Lounge-Sitze die entsprechende Hipness fürs junge Publikum hinein, ein Bistro mit roten Samtsofas sprach die ältere Bohème an, und ein Jugendforum bot Lesungen für Schüler. In verschiedenen Lesebereichen, hinter schweren schwarzen Vorhängen, stellten vorwiegend Schweizer Autoren ihre aktuellen Werke vor.

Dazu gehörten der herrlich-komische Kolumnist Peter Bichsel, der sich über den fehlenden Tisch vor seinem Lesesessel mokierte: Er brauche doch Rotwein und Zigaretten zum Lesen, und eben einen Tisch, damit man seine "nicht geputzten Schuhe" nicht sehe. Nach ihm lasen außerdem der Bieler Autor Jörg Steiner, der Österreicher Norbert Grstein. Der kurdisch-schweizerische Migrationsromanautor Yusuf Yesilöz stellte seinen melancholischen Roman Gegen die Flut vor.