Die Toten Hosen haben ein neues Album gemacht, In aller Stille heißt es. Früher waren sie Punks und fuhren Opel, heute sind sie Deutschrocker und fahren wohlmöglich Audi. Und der Sänger Campino klingt jetzt wie ein Politiker. Was er über eine schwarz-grüne Koalition denkt, erzählt er Thomas Winkler in der taz. "Ich halte es nicht mehr für unmöglich. Es ist ungut für eine politische Kultur, wenn Parteienkonstellationen aus Prinzip ausgeschlossen werden." Und könnte Die Linke ihm eine politische Heimat sein? "Das ist vielleicht ein bisschen emotional, aber ich kann mich nicht für ein Brechmittel entscheiden. Und Lafontaine ist für mich ein Brechmittel."

Versöhnlicher spricht er über seine Kollegen von BAP. Früher waren ihr behäbiges Rocken und ihr sozialdemokratischer Gestus Campino ein rotes Tuch. Mittlerweile stört es ihn nicht einmal mehr, dass Wolfgang Niedecken für Horst Köhler Partei ergreift. Der einzige Unterschied sei wohl, dass BAP aus Köln kämen und Die Toten Hosen aus Düsseldorf. Auch der Anspruch ans eigene Werk nimmt sich heute bescheiden aus: "Wir sind eine Rockband, wo es noch kracht. Ich sehe uns in einer Tradition mit den Ramones, AC/DC oder vielleicht auch Status Quo. Vielleicht bedeutet das auch, konservativ zu sein in dem, was man macht."

Kein Wunder also, dass Timo Frasch in der FAZ befindet, dass die Toten Hosen "in Kreisen, in denen der richtige Musikgeschmack als Ausweis der Dazugehörigkeit gilt, nicht mehr hoch im Kurs" stünden. Oft hieße es: "mäßig an den Instrumenten, zu viele Sauflieder, zu plakative politische Botschaften – lallende Jusos eben, wie Wiglaf Droste einst über den Hosen-Sänger Campino sagte, dem es schwerzufallen schien, die Musik für sich sprechen zu lassen." In aller Stille sei die "bewährte Mischung aus schnellen und balladesken Liedern" und erscheine nur wenige Wochen nach dem neuen Album von AC/DC, einer Band, die "ebenfalls mit wenigen Riffs auskam," und "erstaunliche Verkaufszahlen erreicht."

"Auf dem AC/DC-Album ist kein einziger überraschender Ton", zitiert Frasch Campino, "aber die Leute wissen: Die Typen meinen das so." Campinos Vorstellung von dem, was eine gute Platte sei, unterscheide sich davon kaum. Und da es hier eben "um nicht mehr und nicht weniger als um Rockmusik" ginge, könne man In aller Stille "durchaus gelungen" finden.

Die Titelgeschichte seiner Dezemberausgabe widmet das Rockmagazin Visions dem "Wunderproduzenten" Rick Rubin. Etablierte Künstler wie Johnny Cash, die Red Hot Chili Peppers, Metallica, die Beastie Boys und Neil Diamond verließen sich bereits auf seine Dienste, weshalb eigentlich?

"Rick erkennt den Kern eines Künstlers, er kitzelt die Essenz heraus", heißt es in der Zeitschrift. Dabei verhalte er sich gar nicht wie ein normaler Produzent. Er sei nur selten überhaupt im Studio, bei manchen Bands tauche er nur alle paar Wochen für ein paar Stunden auf. "Er setzt sich, schließt die Augen, nimmt seine Yogi-Haltung ein, während die Künstler ihm vorspielen, woran sie tagelang leidenschaftlich gearbeitet haben. Rubin sitzt nur da. Er macht sich keine Notizen. Am Ende eines Songs drückt er auf Pause, öffnet die Augen und sagt, was er denkt. Dann steht er auf und geht wieder." Der Ausgabe liegt ein Poster von Rick Rubin bei, darauf hat er die Augen geöffnet.