Ihm sei vorhergesagt worden, hatte der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë am Samstag ausgerufen, dass er der Verlierer des 75. Parteitags der Sozialisten sein werde. Das sei ihm egal, setzte er fort, aber er wolle nicht, dass Nicholas Sarkozy und François Bayrou die Sieger seien.

Nun, Sarkozy kann sich freuen. Nicht nur, weil anstelle des Sozialistentreffens dasjenige der G-20 die Medien beherrschte, sondern auch, weil Frankreichs Sozialistische Partei (PS) sich, wieder einmal, als politikunfähig präsentiert hat.

Aber Bayrou? Der Chef der "Modernen Demokraten" (MoDem) war gemeint, einer eher liberalen Mitte-Rechts-Gruppierung, die eigentlich derzeit zerrieben wird zwischen rechts und links und bloß eine Nebenrolle spielt. Nur eben nicht auf dem Parteitag der Sozialisten, der an diesem Wochenende in Reims stattfand.

Genauer: in einer Parallelwelt. Frenetische Beifallsstürme und Jubelrufe für jeden, der die Zusammenarbeit mit Bayrou verurteilte. Als wenn darin das Hauptproblem der Partei zu finden sei, und als wenn die kommenden Präsidentschaftswahlen nicht noch dreieinhalb Jahre entfernt lägen.

Doch die Mehrheit der Delegierten brauchte diesen Popanz. Als Ventil. Ein Reizsignal musste her, geeignet, der angesammelten Abneigung gegen Ségolène Royal freien Lauf zu lassen, der gescheiterten Präsidentschaftskandidatin von 2007. Sie hatte damals zwischen den beiden Wahlgängen den Fehler begangen, unerwarteterweise dem Chef der Mitte-Rechts-Gruppierung das Amt des Premierministers anzubieten.

MoDem, das war ein running gag. Ein weiterer waren die Auftritte Ségolène Royals, die regelmäßig erst dann den Saal betrat, wenn die Sitzung in vollem Gange war. Sofort wandte sich die Aufmerksamkeit vom Redner ab und, sehr zum Ärger der anderen Parteipromis, der von Fernsehscheinwerfern bestrahlten Erlöserin der Partei zu, als die sie sich präsentierte.

Klatschen, Pfiffe, Buhrufe, und das alles nachhaltig, begleiteten insbesondere ihre Rede vom Samstag, in der sie Dinge sagte wie "Wir müssen einander verzeihen", und "wir müssen uns heilen von den kleinen und großen Verletzungen", gar "wir sollte uns ein kleines Bisschen mehr lieben" - da war der Ofen aus. Ihre Gegner veranstalteten einen Höllenlärm, was nicht nur die Rednerin, sondern auch ihre Anhänger tief in der Seele traf.