Der G-20 Gipfel zur Weltfinanzkrise ist zu Ende gegangen, da diskutieren die Wirtschaftsweisen und Experten Folgen - oder die Folgenlosigkeit - der Abschlusserklärung der Staats- und Regierungschefs und ihre für die Neuordnung der Finanzordnung. Der Termin für das nächste Treffen steht auch schon fest – aber die eigentliche Frage wird nicht gestellt: Angesichts der Erschütterung der internationalen Staatengemeinschaft, angesichts der Finanzkrise hat die "Welt der G-8" ihre Existenzberechtigung verloren.

Großzügig haben sich die G-8-Staaten gegeben, auf diesem Gipfel, die sogenannten Schwellenländer wie China und Indien eingeladen, um mit ihnen über eine neue Finanzarchitektur, neue länderübergreifende Aufsichtsteams, neue Regeln der Transparenz und Regulierung zu debattieren. Aber sie haben versäumt, die eigentliche Lehre aus der Finanzkrise zu ziehen: Es gibt keinen Ort mehr, kein Land mehr, das unabhängig von den anderen agieren könnte. Die Finanzkrise hat die Globalisierung als wechselseitige Verwundbarkeit vorgeführt, als die berühmte eine Welt, die eben auch eine Welt ist, in der es kein Außerhalb mehr gibt, keinen geschützten Raum, der vor dem Absturz des Marktes, der Abwertung der Werte verschont wäre.

Dadurch ist aber nicht nur die internationale Finanzarchitektur zu einer Neuordnung gezwungen, sondern die politische Ordnung selbst steht auf dem Prüfstand.

Was soll noch ein G-8 Gremium in einer Welt, in der die amerikanische Wirtschaft von der chinesischen abhängig ist, die amerikanischen Banken mit ihren faulen Krediten auch durch Käufe und Investitionen aus Singapur, Dubai und Indonesien gestützt werden? Wem wollen die G8 Staaten noch etwas vormachen, über ihre vorgeblich so mächtige Stellung in der globalisierten Welt, wenn sie ihre Ohnmacht gerade so deutlich vorgeführt haben?

Immer schon ging es bei dem Selbstverständnis der mächtigsten Industrienationen der Welt nicht nur um rein ökonomische, sondern auch um symbolische Macht. Immer sollten die G8 auch eine Werte-Gemeinschaft repräsentieren, die nicht nur internationale Standards des Handels, sondern auch der Verständigung über Normen und Regeln des Zusammenlebens selbst generieren.

Im Lichte der Finanzkrise wäre es deswegen an der Zeit zu erkennen, dass eben diese Werte des demokratischen Miteinanders, der Suche nach Gerechtigkeitskriterien in einer globalisierten Welt, die die Industrie-Staaten mit ihren G-8-Gipfeln neben den fiskalischen Fragen immer auch repräsentieren wollten, unterhöhlt sind.