ZEIT ONLINE: Frau Mälkki, wie muss eine Dirigentin auftreten, damit das Orchester auf sie hört?

Susanna Mälkki: Letztlich geht es doch um Musik und nicht um Hierarchien. Für mich ist ausschlaggebend, was dem aufgeführten Stück am ehesten gerecht wird. Bloße Machtspiele finde ich kindisch. Natürlich muss es jemanden geben, der den Überblick behält und alles koordiniert, um Logik in die Musik hineinzubringen. Dazu ist es notwendig, dass ein Dirigent konsequente Entscheidungen trifft. Zugleich ist aber jedes Mitglied im Orchester für seinen eigenen Part verantwortlich. Je besser ein Orchester ist, desto weniger Probleme ergeben sich.

ZEIT ONLINE: Sie sind eine der wenigen erfolgreichen Frauen am Dirigentenpult. Müssen Sie dennoch ab und zu gegen Vorurteile ankämpfen?

Mälkki: Das passiert glücklicherweise nicht häufig. Orchester verstehen meist sehr schnell, ob der Dirigent weiß, was er tut. Ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, spielt dann keine Rolle mehr. Sicherlich kommt es vor, dass einzelne Musiker Vorurteile gegen eine Frau am Pult haben. In den Medien wird so etwas leider viel zu sehr aufgebauscht. Ich denke jedenfalls, dass Dirigentinnen heute wesentlich leichter akzeptiert werden als noch vor 30 Jahren.

ZEIT ONLINE: Wie kommunizieren Sie mit den Musikern?

Mälkki: Dirigent und Orchester müssen sich gegenseitig Impulse geben, sonst können sie nicht zusammen musizieren. Der Dialog verläuft nicht nur verbal, sondern auch auf anderen Ebenen. Leider ist die Zeit für einen solchen Austausch oft sehr begrenzt. Ich passe meine Dirigiertechnik dem jeweiligen Orchester, dem Stück und der speziellen Akustik des Saales an. Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch das Publikum. Es ist faszinierend, wie sich ein Orchester während einer Aufführung verändert. Erst dann lernen sich Musiker und Dirigent richtig kennen. Bei den Proben fehlt eben das Adrenalin!