Der Jeep ruckelt über die staubige rote Erde, hangelt sich von Schlagloch zu Schlagloch. Gerade erhebt sich die Sonne über der raspeltrockenen Buschlandschaft, noch ist es angenehm kühl. Einige Geparden dösen unter einem Busch, ein anderer thront majestätisch auf einem Termitenhügel. Vom Duft des mitgeführten Fleisches angelockt, nähern sie sich dem Jeep mit den Urlaubsgästen. Das Schnurren der Großkatzen erfreut die einen und lässt andere erstarren. Aug in Aug mit einem wilden Tier zu sein ist ein Erlebnis, das niemanden kalt lässt.

Doch die morgendliche Pirschfahrt auf Okonjima dient nicht allein der Gästebelustigung. Hier geht es um eine andere Mission: Die luxuriöse Lodge ist Sitz der Africat Foundation. Die Stiftung hat in den letzten 10 Jahren rund 1000 Geparden und Leoparden aufgenommen, schwer verletzte oder verwaiste Tiere, mit dem Ziel, sie nach einiger Zeit wieder in die Wildnis zu entlassen. Nach eigenen Angaben gelang das in rund 90 Prozent der Fälle. Einige wenige werden aber für immer hier bleiben müssen. Zum Beispiel das alte Leoparden-Männchen, das nur langsam humpelnd zum Frühstück erscheint. Ihm wurde vor Jahren von einem Tellereisen die halbe Pfote abgehackt.

Der Anlass für die Gründung der Lodge mit angegliedertem Schutz-, Rehabilitations- und Auswilderungszentrum war ernst: Der Gepard war und ist akut gefährdet. Geschätzte 12.000 gibt es noch weltweit, ein Viertel des Bestandes lebt in Namibia. Das offene Farmland ist für sie ein idealer Lebensraum und das weidende Vieh dort leichte Beute. Für einen Kleinbauern kann aber jeder Verlust eine existenzielle Katastrophe bedeuten. Deshalb gilt bei vielen der Slogan: "Nur ein totes Raubtier ist ein gutes Raubtier."

Etwa 400 Kilometer nördlich, am Rande des Etosha-Nationalparks, kümmert sich ein ähnliches Projekt um Katzen: Die Kavita Lion Lodge ist Sitz der Afrileo-Foundation, einer Stiftung zum Schutz der namibischen Löwen. Die Biologin Tammy Hoth hat sie vor etwa zehn Jahren gemeinsam mit ihrem deutschstämmigen Mann Uwe ins Leben gerufen. Löwen gelten als Sinnbild für Kraft und Unverwüstlichkeit, für Stolz und Stärke. Doch auch ihnen geht’s gewaltig an den Kragen. Ihre Population ist in den letzten 20 Jahren um fast die Hälfte geschrumpft. Die Trophäenjagd, bei der für einen Löwen schon mal 5000 Euro über den Tisch gehen, ist ein Grund. Andere Ursachen sind Krankheiten wie Tuberkulose oder FIV, auch Katzenaids genannt, und der Verlust des Lebensraums. Und in der Gegend um den Etosha-Nationalpark kommt noch ein anderes Problem hinzu: Die Park-Zäune sind marode, die Parkverwaltung kommt kaum hinterher, die immer neuen, von Warzenschweinen gebuddelten Löcher unter dem Zaun zu stopfen. So laufen die Löwen aus dem Park hinaus und versetzen die Menschen der umliegenden Dörfer in Angst und Schrecken. Rund zwanzig Mal passiert das im Jahr, und kaum ein Löwe überlebt einen solchen Ausflug. Zwanzig tote Löwen sind eine beachtliche Anzahl bei insgesamt rund 300 Löwen im Park. Tammy kämpft für sie.

Früh am Morgen fährt Tammy mit ihrem Pick-up in Richtung angolanische Grenze zu einem Treffen mit dreizehn Kleinbauern aus der Umgebung. Die Sonne brutzelt gnadenlos, kein Baum spendet Schatten. In dieser unfruchtbaren Gegend haben sie ihre Hütten errichtet. Kein Telefon, kein Strom, kein fließendes Wasser. Ihr Reichtum besteht aus einigen Rindern, Ziegen und Eseln. Reißt ein Löwe eine Kuh, kann das bedeuten, dass eines der Kinder nicht mehr zur Schule gehen kann.