Der künftige US-Präsident Barack Obama will wegen der massiven Wirtschaftsprobleme in seinem Land das Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushaltes hintanstellen und stattdessen die Konjunktur ankurbeln. "Es ist einhellige Meinung, dass wir alles tun müssen, was möglich ist, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, dass wir jetzt Geld ausgeben müssen, um die Wirtschaft zu stimulieren", sagte er gestern Abend in seinem ersten großen Fernsehinterview nach seinem Wahlsieg.

"Der Konsens ist, dass wir tun müssen, was immer nötig ist, um diese Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen", sagte Obama. Unstrittig sei auch, "dass wir uns nächstes Jahr oder sogar das Jahr danach keine Sorgen über das Defizit machen sollten, dass es kurzfristig am wichtigsten ist, eine sich vertiefende Rezession zu verhindern", so der 47-Jährige.

Er kündigte auch ein "klares Programm" für bedrängte Hausbesitzer an, um die Welle von Zwangsvollstreckungen einzudämmen. Erneut setzte sich Obama auch für Hilfen für die notleidende Autoindustrie ein: "Ein völliger Zusammenbruch der Autoindustrie wäre in dieser Art von Umfeld ein Desaster. Deshalb glaube ich, dass wir Unterstützung leisten müssen." Es könne sich dabei aber nicht um einen Blankoscheck handeln.

Obama lobte in dem Interview die Arbeit von Finanzminister Henry Paulson, der "unermüdlich" unter schwierigen Bedingungen im Einsatz sei. Aber Paulson wäre wohl der Erste, der einräumen würde, dass wahrscheinlich nicht alle bisher beschlossenen Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte "so gewirkt haben, wie er es sich erhofft hat", sagte er.

Das vom Kongress verabschiedete Rettungspaket über 700 Milliarden Dollar habe bereits Wirkung bei der Eindämmung der Krise gezeigt, sagte der Politiker. So hätten ohne die Hilfen in den vergangenen Monaten noch mehr Banken zusammenbrechen können. "Wir hätten einen noch schnelleren Konjunktureinbruch erleben können - sogar einen noch größeren Rückgang des Aktienmarkts", sagte Obama. "Wir müssen die Entwicklung also auch daran messen, was nicht passiert ist, und nicht nur daran, was passiert ist."