Von gewissen Schwierigkeiten beim Autobauer Opel hatte die Kanzlerin schon vor der Abreise zum Weltfinanzgipfel nach Washington gehört. Dass der Fall während ihrer gerade einmal 40 Stunden Abwesenheit aus Deutschland jedoch dermaßen politische Sprengkraft annehmen könnte, ahnte Angela Merkel nicht im Entferntesten. Nach ihrer Rückkehr vom internationalen Parkett ist die CDU-Regierungschefin gleich zu Beginn der neuen Woche nun doppelt gefordert.

In einem Gespräch mit der Opel-Spitze im Kanzleramt geht es an diesem Montag um die Bitte des Traditionskonzerns um eine staatliche Milliardenbürgschaft. Damit ist endgültig klar, dass sich die Krise nicht mehr allein auf die Bankenwelt beschränkt. Zudem nahm SPD- Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier auch noch den Fall Opel zum Anlass, sich gegen Merkel in Stellung zu bringen. Für Montagabend hat der Vizekanzler die Gesamtbetriebsräte der deutschen Autobauer zu einer Art Gegentreffen zu sich ins Auswärtige Amt geladen.

Was den wirtschaftspolitischen Teil des Problems angeht, verfährt Merkel nach dem bewährten Muster ihres Krisenmanagements. Sie sammelt erst einmal Informationen. Während die Ministerpräsidenten von Hessen und Rheinland-Pfalz um die Gewährung von Bürgschaften schon geradezu wetteifern, lud sie Firmenspitze und Betriebsrat ein. Die Regierung werde sich "Schritt für Schritt mit der Lage bei Opel vertraut machen und Lösungsmöglichkeiten suchen", sagte Merkel noch in Washington.

Auf jeden Fall will sie nichts überstürzen. Vielleicht könnte den mehr als 25 000 Opelianern in Deutschland, die vor allem wegen ausbleibender Zahlungen des US-Mutterkonzerns General Motors in Sorge sind, ja auch anders geholfen werden. Die Gewährung einer Bürgschaft soll jedenfalls genau überlegt werden. Denn erstens wäre es eine direkte Subvention, was die G20-Staaten gerade erst auf ihrem Gipfel ablehnten. Und zweitens könnte eine Bürgschaft nicht nur andere Autobauer, sondern auch andere Branchen auf den Plan rufen.

Unter normalen Umständen hätte Merkel das Treffen wohl auch nicht publik gemacht - mit den Banken traf sie sich in den vergangenen Wochen auch immer heimlich. Im Fall Opel verhinderte jedoch die regierungsinterne Konkurrenz ein solches Vorgehen: Außenminister Steinmeier schaltete sich am Wochenende in aller Öffentlichkeit ins Krisenmanagement ein.

"Wir werden die Beschäftigten der Automobilindustrie nicht alleinlassen", versprach der SPD-Kanzlerkandidat auf einem Landesparteitag der Thüringer SPD. Und teilte bei der Gelegenheit offiziell mit, dass er sich selbst mit den Betriebsräten von Opel, VW, Ford, Daimler, BMW, Audi und Porsche zum Krisengespräch treffen werde. Beim vorab nicht informierten Koalitionspartner sorgte der Vorstoß für ziemlichen Ärger.