Pakistan ist fast bankrott. Die Ursachen dafür sind aber weniger in der Finanzkrise zu suchen, als in dem täglichen Missmanagement der regierenden Eliten. Die Wirtschaft befand sich schon lange vor dem Beginn des Bankencrashs in den USA auf einer rasanten Talfahrt. Aus verständlichen Gründen wollen das viele Pakistaner nicht wahrhaben. Es ist eben einfacher, die Schuld den Zockern auf dem internationalen Finanzmarkt zuzuschieben – und ganz falsch ist es ja nicht.

Jetzt hat der IWF Pakistan mit einem 7,6 Milliarden Kredit vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt. Am Montag haben in Abu Dhabi Vertreter von 16 Staaten versprochen, bei der Sanierung der angeschlagenen Staatsfinanzen zu helfen. Die Gruppe der "Freunde Pakistans" – zu der auch Deutschland gehört –, soll nach den Wünschen Islamabads weiter 15 Milliarden locker machen. Die "Freunde Pakistans" zieren sich jedoch, und der IWF hat seinen Kredit an eine Reihe strenger Auflagen gebunden.

Nun hat der IWF bestimmt keinen guten Ruf, denn er hat schon eine Reihe von Ländern eine desaströse Politik aufgezwungen. Pakistan hat sich deswegen auch bis zuletzt gewehrt, beim IWF anzuklopfen. Doch umgekehrt, kann aus dem schlechten Ruf des IWF nicht der Schluss gezogen werden, dass Pakistan Kredite gewährt werden sollen, ohne Fragen zu stellen. Pakistan nämlich ist eine notorische Geldvernichtungsmaschine. Es ist nicht das erste Mal, dass es um Kredite bittet, und es wird nicht das letzte Mal sein, dass es sie bekommt.

Warum? Weil sich alle Welt vor einer Destabilisierung dieses nuklear bewaffneten Staates fürchtet. Die Furcht ist heute begründeter denn je: Pakistans Armee führt auf eigenem Staatsgebiet einen Krieg gegen Extremisten. Die USA haben das Land lange zu einem harten Vorgehen gedrängt, weil sie glauben Afghanistan nur gewinnen zu können, wenn das pakistanische Hinterland für Extremisten "ausgetrocknet" wird. Inzwischen sind rund 250.000 Pakistaner auf der Flucht. Wie schlimm die Lage für diese Menschen ist, zeigt die Tatsache, dass manche sogar nach Afghanistan geflüchtet sind, um sich in Schutz zu bringen. Gleichzeitig treiben die explodierenden Lebensmittelpreise die armen Massen noch tiefer in die Armut. Es ist von Hungeraufständen die Rede. Das ist ein bedrohliches Szenario.

Es gibt keine Alternative, als Pakistan zu helfen. Allerdings muss einem auch klar sein, dass man damit eine korrupte Elite unterstützt, die sich in den letzten Jahren auf eine zynische Erpressung spezialisiert hat: Wenn ihr nicht zahlt, exportieren wir Instabilität. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Pakistan das Geld bekommt, sondern in welche Hände es gerät. Der IWF hat angeblich eine Beschneidung des immensen Budgets der pakistanischen Armee zur Auflage gemacht. An sich eine sehr vernünftige Idee. Nur, sagen Pakistans Politiker, mit welchem Geld soll dann unsere Armee Euren Kampf gegen den Terror führen? Und schon ist man wieder in der Falle.