Torsten Albig, der Sprecher des Bundesfinanzministers, fährt Opel, und dies mit "großer Zufriedenheit". An normalen Tagen würde dies im politischen Berlin absolut niemanden interessieren. Doch in diesen Tagen ist mal wieder nichts normal in der Hauptstadt, die aufziehende Weltwirtschaftskrise hat mit General Motors (GM) einen der größten Autokonzerne der Welt erfasst. Und die sich abzeichnende GM-Pleite droht auch die deutsche GM-Tochter Opel in den Untergang zu reißen, nebst zehntausenden Arbeitsplätzen. An solchen Tag wird dann auch die Automarke von Ministeriumssprechern zum Gegenstand von Erörterungen in der Bundespressekonferenz.

Alle wollen den Rüsseslheimer Autobauer retten. Selbst die IG Metall, die eben noch um eine achtprozentige Lohnerhöhung gekämpft hat, bietet einen Lohnverzicht an . Intensiv wird um eine Lösung gerungen. Ein Krisentreffen jagt in Berlin derzeit das nächste. Kanzlerin Merkel (CDU) trifft sich an diesem Nachmittag mit dem Opel-Management und dem Betriebsrat, Kanzlerkandidat Steinmeier (SPD) an Abend mit den Betriebsräten alle deutschen Autobauer. Morgen gehen die Gespräche weiter.

Politiker aller Parteien übertreffen sich mit Vorschlägen, wie die Opel gerettet werden könne. Immerhin geht es um 26.000 Arbeitsplätze in den vier inländischen Werken, um ein vielfaches von Jobs bei den Zulieferern und eine deutsche Schlüsselindustrie. Und es geht um ein Symbol deutscher Industriegeschichte, denn bei Opel werden seit 1898 Autos gebaut. Eine staatliche Bürgschaft in Höhe von einer Milliarde Euro, die das Unternehmen erbeten hat, um das Überleben zu sichern, scheint da vielen nicht als unverhältnismäßig. Schließlich hat man gerade erst der Finanzbranche mit 480 Milliarden Euro aus der Patsche geholfen.

Die Regierung werde alles Notwendige tun, versichert Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Es gebe eine "ganze Reihe von Möglichkeiten", allerdings müssten die Vorgaben des europäischen Wettbewerbs- und Beihilferechts beachtet werden. Und die verbieten eigentlich, dass der Staat einem einzelnen Unternehmen hilft, weil die Konkurrenten, die keine Unterstützung erhalten, dadurch benachteiligt werden.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) wollen die Hilfe deshalb an Bedingungen knüpfen. Sie möchten vor allem verhindern, dass die öffentlichen Gelder bei der Mutter GM versickern, statt zur Sicherung der deutschen Standorte investiert zu werden. Jetzt komme es darauf an, für Opel die "passenden Antworten zu finden", sagt Steinbrück.