Vor Gericht müssen sich zwei Brüder des mutmaßlichen Mörders und ein Polizist wegen Beihilfe zum Mord verantworten. Der Mordprozess hatte Mitte Oktober mit einer ersten Anhörung formell begonnen. Politkowskaja war vor zwei Jahren vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen worden. Der mutmaßliche Täter, der Tschetschene Rustam Machmudow, ist auf der Flucht.

Der Antrag der Staatsanwaltschaft, den Prozess wegen der Behandlung möglicher Staatsgeheimnisse hinter verschlossenen Türen abzuhalten, wurde abgelehnt. Die Geschworenen sollen an diesem Dienstag ausgewählt werden. Der Richter kündigte an, die Öffentlichkeit auszuschließen, sollte Druck auf die Geschworenen ausgeübt werden. Politkowskajas Kinder forderten von den Angeklagten eine Entschädigung in Höhe von zehn Millionen Rubel (rund 290.000 Euro).

Eine Anwältin der Politkowskaja-Familie kritisierte, dass bis heute weder die Auftraggeber des Mordes noch die Geldgeber ermittelt worden seien. Ein vierter Angeklagter im Politkowskaja-Verfahren, ein früherer Geheimdienst-Mitarbeiter, steht wegen Amtsmissbrauchs und Erpressung vor Gericht. Diese Geheimdienst-Verbindung soll nach Ansicht von Experten der Grund dafür sein, dass der Prozess vor einem Militärgericht verhandelt wird.

Die engagierte Journalistin hatte unter anderem Menschenrechtsverletzungen der moskautreuen Führung in Tschetschenien angeprangert. Bei der Rückkehr vom Einkaufen war sie im Herbst 2007 im Fahrstuhl ihres Haus mitten in Moskau von hinten erschossen worden.