Özdemir stimmte seine Partei und die Öffentlichkeit auf eine schärfere Konfrontation mit den anderen Parteien im Wahljahr 2009 ein. "Wir Grüne wollen noch stärker harte Oppositionspartei sein. Wir müssen angreifen. Manndeckung ist gefragt", sagte Özdemir der Passauer Neuen Presse .

Es gebe genügend offene Flanken in der Bundesregierung, allen voran der Umweltminister. "Sigmar Gabriel kneift, wenn es ernst wird. Dann sind Umweltinteressen abgemeldet, Autointeressen angesagt ganz wie bei seinem Mentor, Alt-Autokanzler Gerhard Schröder", sagte der neue Grünen-Chef. Bei Tempolimit und niedrigen CO2- Ausstoßwerten blockiere der Umweltminister, bei der Kfz-Steuerbefreiung für Spritfresser aber gebe er Gas. "Die Umwelt hat das Nachsehen. Da müssen wir unnachgiebig attackieren", sagte Özdemir.

Der neue Grünen-Chef zeigte sich offen für eine Koalition mit der Union im Bund, falls diese den Atomausstieg akzeptiert. "Mich interessiert vor allem, wie stark die Grünen werden. Koalitionsfragen machen sich an Inhalten fest." Schwarz-Grün in Hamburg zeige, dass es um Inhalte und nicht um ideologische Barrieren gehe. "Es kann im Einzelfall durchaus sein, dass man grüne Inhalte besser mit Schwarz als mit Rot umsetzen kann", sagte Özdemir. "Entscheidend ist, dass die grüne Handschrift erkennbar ist."

Die Grünen hatten Özdemir am Wochenende auf ihrem Parteitag in Erfurt mit 79,2 Prozent zum Nachfolger von Reinhard Bütikofer gewählt - und damit zum ersten türkischstämmigen Parteichef Deutschlands. Co-Parteichefin Claudia Roth wurde mit 82,7 Prozent im Amt bestätigt. Mit 92 Prozent bestimmten die Delegierten Renate Künast und Jürgen Trittin zu Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl.

Im Wahlkampf wollen die Grünen auf eine radikale Energiewende und ein neues sozial-wirtschaftliches Konzept gegen die drohende Rezession setzen. Unter dem Motto "New Deal" fordern sie einen neuen Gesellschaftsvertrag. Eine Koalitionsaussage traf die Partei nicht.