Eine Schwalbe beweist noch keine Jahreszeitenwende, und schon gar nicht, wenn es um konjunkturelle Voraussagen geht. Interessant aber ist diese Schwalbe im November doch: Die amerikanische Industrieproduktion im Oktober ist um 1,3 Prozent gestiegen. Im Vormonat war sie noch um 3,7 Prozent gesunken; das war der heftigste Absturz seit 60 Jahren.

Diese Schwalbe darf man allein deshalb nicht überschätzen, weil im September das Wetter als Sonderfaktor agierte. Die Stürme im Golf von Mexiko hatten die Ölförderung und die Raffinerien schwer in Mitleidenschaft gebracht. Ein weiterer Sonderfaktor war der Streik bei dem Flugzeugbauer Boeing.

Hält man diese beiden Sonderfaktoren konstant, sind die Nachrichten weder ganz so schlecht, noch ganz so gut, wie sie auf den ersten Blick aussehen. Der 3,7-Prozent-Verlust entpuppt sich als Minus von nur 0,7 Prozent, wenn Wetter- und Streikfolgen abgezogen werden, berichtet die Federal Reserve, die US-Zentralbank. Freilich wird so auch das Wachstum im Oktober (plus 1,3 Prozent) relativiert.

Anderseits – und es gibt in der Ökonomie immer ein Anderseits – sind diese 1,3 Prozent Wachstum besser als der halbe Punkt, den die Auguren für Oktober vorausgesehen haben. Wiederum anderseits: Im Großen und Ganzen hat sich die Industrieproduktion im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent verringert. Ein letztes Anderseits: Ob Amerika nun offiziell in der Rezession ist, steht noch aus. Wir werden es demnächst erfahren, wenn die entsprechenden Ausschüsse getagt haben.

Das letzte Wort soll heute der Aktienmarkt haben. Nachdem die Citigroup, eine der größten Banken Amerikas, die Entlassung von 50 000 Mitarbeitern bekannt gegeben hatte, fiel der Dow-Jones am frühen Vormittag (US-Zeit) um 145 Punkte. Die Schwalbe der Industrieproduktion hat die Trader, die nach wie vor auf den Finanzsektor starren, offensichtlich nicht überzeugen können.