Sie hatten sich das so schön gedacht, die Parteistrategen im Konrad-Adenauer-Haus: "Die harten Zeiten sind vorbei", das war die Botschaft, die vom Parteitag der CDU Anfang kommender Woche ursprünglich ausgehen sollte. Den konsolidierten Haushalt fest im Blick, wollte man den Bürgern umfangreiche Steuererleichterungen versprechen – Grundlage für den " feel-good "-Wahlkampf, den die CDU für 2009 anvisierte. In der Klimapolitik wiederum wollte man sich als – wenn auch kernkraftorientierte – Öko-Partei profilieren. "Schöpfung bewahren – Klima-, Umwelt- und Verbraucherschutz", so der Titel eines Grundsatzpapiers, das der Parteitag verabschieden soll.

Doch die Finanz- und Wirtschaftskrise hat der CDU einen dicken Strich durch diese schöne Planung gemacht. Denn kaum ist das Wachstum in Gefahr, schon zeigt sich, dass das neue grüne Bewusstsein beim Spitzenpersonal der Union noch keineswegs fest verankert ist. Im Anbetracht der harten Zeiten, die der Autoindustrie nach Jahren satter Gewinne nun bevorstehen, kommen von Teilen der Partei und den Ministerpräsidenten sofort Rufe nach einer Aussetzung der Kfz-Steuer auch für wenig umweltfreundliche Autos laut. Die EU-Klimaschutzziele sollen wahlweise aufgeweicht oder zumindest zeitlich verzögert werden. Arbeitsplätze retten statt die Umwelt, lautet die neue, alte Parole.

In Gefahr ist aber auch der bislang so eisern zur Schau gestellte Wille, die maroden Staatsfinanzen endlich zu sanieren. Vor allem die Wirtschaftspolitiker in der Union , die sich schon lange marginalisiert fühlen, wittern Morgenluft. Nun, da der ausgeglichene Haushalt ohnehin bestenfalls noch ein Fernziel für das Ende der nächsten Legislaturperiode ist, scheint ihnen die Chance größer denn je, schnelle Steuersenkungen durchzusetzen und so die eigene Klientel zufriedenzustellen. Die Binnennachfrage müsse in der Krise gestärkt werden, lautet das Argument. Die Befürchtung, die Bürger könnten dies konterkarieren, indem sie das zusätzliche Geld einfach aufs Sparbuch legen, wird mit dem Satz vom Tisch gewischt, man müsse "dem mündigen Bürger trauen".

Man kann der CDU zugutehalten, dass sie nicht die einzige Partei ist, in der sich angesichts der Krise die populistischen Stimmen mehren. Der FDP-Politiker Otto Fricke beispielsweise schlägt vor, die von seiner Partei seit Langem geforderten Steuersenkungen zu finanzieren, indem man die Entwicklungshilfe für Schwellenländer senkt. Die von der Linken geforderte Millionärssteuer ist von ähnlicher Qualität.

Und immerhin: Noch zeigen sich die Kanzlerin und ihr Generalsekretär unnachgiebig . Am Klimaschutz werde man festhalten, betonen beide. Steuersenkungen soll es zwar geben, aber erst nach der Wahl 2009. Es bleiben also reine Wahlkampfversprechen. Bevor man sich konkret festlege, müsse man abwarten, wie sich das gerade beschlossene Konjunkturprogramm auswirken werde, argumentiert Merkel und Pofalla. Ihr Schutzargument: Alles andere sei mit dem Koalitionspartner SPD ohnehin nicht zu machen.

Doch eine Woche vor dem Parteitag steht die Kanzlerin und Parteivorsitzende unter erheblichem Druck. Zum einen kommt der Widerstand gegen die Klimaschutzziele nicht von irgendwelchen Hinterbänklern, sondern direkt aus den Staatskanzleien der Länder. Mit Jürgen Rüttgers (Nordrhein-Westfalen), Christian Wulff (Niedersachsen) und Peter Müller (Saarland) sind bereits drei Ministerpräsidenten auf Gegenkurs zur Berliner Parteiführung gegangen.

Bei den Mittelstandspolitikern wiederum, die sich für schnellere Steuersenkungen einsetzen, handelt es sich mit dem Vorsitzenden des Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs, und dem Chef der Unions-Mittelsstandsvereinigung, Josef Schlarmann, zwar um die üblichen Verdächtigen. Sie haben allerdings die Rückendeckung der für die Union nicht ganz unbedeutenden Wirtschaftsverbände wie dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) oder dem Industrie- und Handelskammertag.