Mit solch kleinen Augen wie an diesem Donnerstagmorgen trat die neue Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) wohl nur selten vor die Presse. 17 Stunden hatte sie zuvor verhandelt und für die Interessen deutscher Landwirte in Brüssel gestritten. Heraus kam ein müder Kompromiss, den wenige feiern. Schon gar nicht die Landwirte.

Sie sorgten zum Gipfeltreffen für den lautesten Brüsseler Protestmarsch dieses Herbstes. Mit Sirenen und Kuhglocken versuchten Bauern aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten, zu ihren Ministern durchzudringen. Die debattierten im Ratsgebäude mit der Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel über Milchquoten, Betriebsprämien und Direktzahlungen. Der Kern ihrer nach langen Verhandlungen erzielten Einigung: Die direkten Subventionen an landwirtschaftliche Betriebe werden gekürzt, die Milchquote steigt in den kommenden fünf Jahren kontinuierlich an.

Die Minister wollten ihrer Politik einem Healthcheck – einem Gesundheitstest – unterziehen. Die Betroffenen draußen hielten Schilder wie "die gemeinsame Agrarpolitik ist zum Kotzen" in die Luft. Die Wut ihrer Klientel kennt Kommissarin Fischer Boel, auch deshalb hatte sie schon im Mai weitreichende Vorschläge für Korrekturen der Landwirtschaftspolitik vorgelegt.

Unter Ratspräsidentschaft Frankreichs, Europas größten Agrarlandes, ging es nun ans Eingemachte: Teile von Fischer Boels Ideen wurden kassiert, andere aufgenommen. Ein Brüsseler Kuhhandel, über den der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner im Gespräch mit ZEIT ONLINE schimpfte: "Dieser Kompromiss wird den Druck auf unsere Betriebe nur noch erhöhen." Auch andere Bauernverbände und Entwicklungsorganisationen kritisierten den Beschluss.

Fast 50 Milliarden Euro zahlen Europas Nationalstaaten jährlich für ihre Agrarpolitik. Nur wenige Länder stellen die Subventionen generell infrage. Strittig ist aber die Verteilung der Gelder: Die Dänin Fischer Boel gilt als Verfechterin projektbezogener Subventionen, sie will die ländliche Entwicklung und nicht die Massenproduktion fördern. Direktzahlungen an Landwirte wollte Fischer Boel daher um bis zu 17 Prozent kürzen.

Deutschlands Betriebe, deren Größe vor allem in Ostdeutschland seinesgleichen sucht, hätte das zunächst über 400 Millionen Euro Mindereinnahmen beschert. Aigner handelte nun eine Kürzung um nur noch höchstens fünf Prozent heraus. Das kostet die deutschen Betriebe 225 Millionen Euro.