Es war eine Art vorgezogener Stabswechsel. Zwei Wochen vor seiner offiziellen Verabschiedung am 3. Dezember präsentierte der bisherige Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, seinen Nachfolger: Oberstleutnant Ulrich Kirsch, der bereits seit drei Jahren Gertz' Stellvertreter ist.

Eigentlich wollte Gertz schon vor drei Jahren aufhören. "Wer Soldaten auch in den Medien vertritt, sollte schon diesseits der Knackigkeitsgrenze sein", begründete der heute 63-jährige Uniformträger damals seine Entscheidung. Allein, es fehlte ein geeigneter Nachfolger. Nun, da dieser gefunden und eingearbeitet ist, kann Gertz doch noch ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit ausscheiden.

Es ist ein Wechsel, den man in der Öffentlichkeit bemerken wird. Denn gleich, was man von dem streitbaren obersten Vertreter der Bundeswehr-Soldaten im Einzelnen halten mag: In den 15 Jahren, die er dem mehr als 200.000 Mitglieder zählenden Verband vorstand, ist er zu einer festen Größe der politischen Auseinandersetzung in Deutschland geworden.

Dass Gertz gehört wurde, hat wohl auch damit zu tun, dass der Jurist zu juristischen Spitzfindigkeiten so gar nicht, zu klaren und deutlichen Worten dagegen umso mehr neigt. "Wenn es einen Verein für deutliche Aussprache gäbe, müsste ich ihm beitreten", bekundete er schon vor Jahren, und blieb diesem Motto auch bei seinem Abschiedsauftritt treu.

Das Thema, das er sich dafür gewählt hatte, konnte kaum überraschen. Zu Afghanistan wollte er reden. Stets hat es den Oberst in Rage versetzt, dass die Regierenden klare Worte für diesen gefährlichsten Einsatz der Bundeswehr aus Rücksicht auf die deutschen Wähler einfach nicht finden wollen. Nun sprach er selbst noch einmal Tacheles.

Natürlich sei das ein Kampfeinsatz, sagte er etwa. Im Übrigen sei man auch nicht nach Afghanistan gegangen, um zu helfen, sondern um den Terrorismus zu bekämpfen. "Sonst hätte man gleich das Technische Hilfswerk schicken können." Doch gerade weil es Gertz um die Sicherheit der Soldaten geht, hat er stets zu denen gehört, die sich am lautesten für den zivilen Wiederaufbau einsetzten. Mit dessen Ergebnissen ist er nun aber "alles andere als zufrieden".