Jan Christian Müller (FR online) wendet sich ab: "Puuh, war das gruselig anzuschauen, was die deutsche Mannschaft vor allem in den ersten 45 Minuten dem erzürnten Publikum bot. Sie passte sich damit jenem Niveau an, das diejenigen Fans (von Hertha BSC) vorgegeben hatte, als sie während der sehr schönen englischen Nationalhymne laut pfiffen: unterste Schublade."

Roland Zorn (faz.net) vermisst vieles, alles: "Im vollen Haus wurde reichlich Leergut angeboten. Vor allem die angeblichen Tempospieler aus der De-Luxe-Abteilung des DFB standen eine Halbzeit still. Deutsche Attacken, deutsche Aufbauwerke? Unsichtbar."

Der Blogger Trainer Baade findet die Fernbedienung nicht und quält sich bis zum Abpfiff: "Selten war der Impuls so groß wie gestern, sich das spannungsfreie und humorlose Spiel nicht bis zum Ende anzuschauen und stattdessen etwas wirklich Unterhaltendes zu tun, wie die Fenster zu putzen oder den Zahnarzt rauszuklingeln, ob er nicht Lust hätte, hier oder da mal ein bisschen zu bohren. Gebohrt wurde auch im deutschen Spiel, gar der Nerv getroffen, jedoch jener Geschmacksnerv, der Fußball für ein ansehnliches, interessantes und dramatisches Spiel hält und dem Genüge tragende Handlungsweisen auf dem Spielfeld erwartet. It wasn’t a classic."

Sven Goldmann (Tagesspiegel) rechnet damit, dass sich die abwesenden Michael Ballacks und Torsten Frings nun erst recht für unersetzlich halten dürften: "Es darf wohl vermutet werden, dass sie zu den wenigen zufriedenen Nationalspielern zählten. Daheim vor dem Fernseher in London und Bremen erhielten sie frei Haus die Erkenntnis, dass ohne sie wenig lief. Es war vor allem das in den vergangenen Jahren von Ballack und Frings verantwortete zentrale Mittelfeld, das mit der Gestaltung des Spiels überfordert zu sein schien. Ihre Vertreter Simon Rolfes und Jermaine Jones brachten gegen die überraschend hoch stehenden Engländer so gut wie gar nichts zustande. Rolfes mag sich gut in eine funktionierende Mannschaft einfügen, ein mitreißender Antreiber mit Alleinvertretungsanspruch ist er nicht. Und Jones legte zwar weite Wege zurück, aber ihm versprang so oft der Ball, wie man es an selber Stätte selten sieht, wenn Hertha BSC spielt."

Im minute-by-minute-report von Paul Doyle auf guardian.co.uk lesen wir: "Das laute Pfeifen der deutschen Fans ist Musik in englischen Ohren. Ein systematischer, abgeklärter Auftritt, der Tempo mit Geduld balanciert, endet mit einem feinen Sieg. Für beide englische Tore sind Innenverteidiger verantwortlich, und sie sind Standardsituationen entsprungen, doch soll man sich nicht davon täuschen lassen. Capellos Elf hat es keineswegs an anderen Qualitäten gemangelt. Und bevor ich gehe, sollte ich Ihnen noch mitteilen, dass John Terry in seiner Analyse zugibt, das Gegentor verschuldet zu haben – und nicht Torhüter Scott Carson: "Ich hätte die Situation klären können, dafür stehe ich ein. Es war nicht Scottys Fehler." Hätte Terry das auch gesagt, wenn er sich nicht mit dem Siegtor rehabilitiert hätte? Vielleicht."