Die Vorgeschichte zu diesem Spiel ging so: der Kampf um die Autorität des Trainers. Die Etablierten, Ballack, Frings, hatten aufgemuckt, und der Trainer hatte sie zur Ordnung gerufen. Die Autorität des Trainers galt als unbestritten, als es am Mittwochabend im Berliner Olympiastadion gegen England ging, allerdings gegen eine bessere B-Auswahl. Die Vorgeschichte bedeutet aber auch: Von nun an geht alles auf Löws Verantwortung.

Die Chance für die nachdrängende junge Truppe war also gut, gut wie nie. Genutzt hat sie kaum einer von ihnen. Allenfalls Petrick Helmes und Marko Marin deuteten an, was in ihnen steckt. Helmes und Marin, die Löw noch kurz vor dem Start der EM aus dem Trainingslager wieder nach Hause geschickt hatte.

Die beiden verbliebenen Stammplatzbesitzer, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose, hingegen taten alles, um Löw zu ermuntern, auch sie in Zukunft einem internen Konkurrenzkampf auszusetzen. Sie spielten phlegmatisch und harmlos, man muss schon sagen: wie in den vergangenen Wochen gewohnt. Klose, der Kapitän und Mittelstürmer: orientierungslos. Und Schweinsteiger, vor dem Spiel schon mal als neuer Leader ausgerufen, weit hinter der Form beim FC Bayern. Welch eine Enttäuschung!

Die Niederlage selber ist, zumal in einem Freundschaftsspiel noch nicht einmal das Problem, sondern die Blutarmut und die Bravheit der deutschen Mannschaft. Diese Spieler sind nun so, wie Löw sie haben wollte: vernünftig, folgsam, systemtreu. Sie haben sich, kurzum, und in den Worten des Bundestrainers "unterworfen". Nur gut spielen tun sie halt nicht und auch kein bisschen böse. Das Ganze hatte etwas B-Jugend-haftes.

Stammspieler schwach, die jungen Talente überwiegend enttäuschend, alles Asche also? Natürlich nicht. Der Kreis der Anwärter auf einen Platz im Team ist nach diesem Abend größer geworden. Und, ja, man hat Michael Ballack vermisst.