Über die Berufung von Clinton war seit Tagen spekuliert worden. Die New York Times berichtet jetzt unter Berufung auf zwei Vertraute der New Yorker Senatorin, sie habe sich nach mehreren Gesprächen mit Obama entschieden, das Amt der Außenministerin zu übernehmen. "Sie ist bereit", zitierte die Zeitung eine Clinton-Beraterin. Eine Bestätigung von Seiten des designierten Präsidenten gibt es bislang nicht. Bereits zuvor hatten allerdings auch andere US-Medien berichtet, Obama sei "auf dem besten Wege", seine Rivalin im Vorwahlrennen am kommenden Donnerstag  offiziell zu nominieren.

Nach dem Bericht der New York Times sprachen Clinton und Obama bei ihren Treffen über ihre Rolle als künftige Top-US-Diplomatin und Obamas außenpolitische Pläne. Beide hatten sich einen erbitterten Vorwahlkampf geliefert. Clinton hatte dabei immer wieder die außenpolitische Unerfahrenheit ihres Konkurrenten angegriffen und eine härtere Linie als Obama in der Außen- und Sicherheitspolitik vertreten.

Nach ihrer Niederlage im Vorwahlkampf hatte Obama Clinton nicht - wie von vielen ihrer Anhänger erhofft - zu seiner Kandidatin für das Vizepräsidentenamt gemacht. Ihre Ernennung zur Außenministerin könnte nun helfen, die zerstrittenen Lager der demokratischen Partei zu versöhnen.

Der Außenminister steht in den USA hinter dem Präsidenten, Vize-Präsidenten und den Präsidenten der beiden Kongress-Kammern an der fünften Stelle im Staat. Experten waren sich deshalb uneinig gewesen, ob die ehemalige First Lady ein solches Angebot überhaupt annehmen würde, da sie ja eigentlich Präsidenten werden wollte.

Ihr Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, hat sich inzwischen bereit erklärt, die Namen der Spender seiner Wohltätigkeitsstiftung offenzulegen, um mögliche Interessenkonflikte bei einer Amtsübernahme seiner Frau zu vermeiden. Der frühere Präsident habe Obamas Übergangsteam bereits eine Spenderliste mit mehr als 200 000 Namen zukommen lassen, heißt es. Auch wolle er sich aus dem Tagesgeschäft der Stiftung zurückziehen und die Regierung über bezahlte Reden informieren, sollte seine Frau Außenministerin werden. Obama hatte das zur Bedingung gemacht.

Schon vor der offiziellen Nominierung hat sich der EU-Außenbeauftragte Javier Solana positiv über Hillary Clinton geäußert. "Sie ist fähig. Sie hat Erfahrung. Sie ist gut bekannt. Es scheint nichts Negatives zu geben", sagte er am Freitag bei einem Besuch in Washington. Es würde in Europa "sehr gut aufgenommen werden", wenn Clinton die oberste US-Diplomatin werden würde.