Nach 56 Tagen ist es so weit: Österreich hat eine neue Regierung, eine neuerliche rot-schwarze Koalition. Die einstigen Großparteien SPÖ und ÖVP haben sich am Sonntag auf Koalitionsprogramm und Ressortverteilung für die nächsten fünf Jahre geeinigt. Bundeskanzler wird der Chef der Sozialdemokratischen Partei Werner Faymann. Sein Vize, Parteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), ist Josef Pröll.

Das erklärte Ziel der neuen Regierung heißt: es besser zu machen als die vorige Große Koalition unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ). Eine neue Form des Regierens, "Teamgeist und gute Zusammenarbeit" sollen Österreich in Zeiten einer internationalen Finanzkrise führen, betonte Faymann auf einer Pressekonferenz. Man müsse der Politik zurückgeben, was ihr dringend Not tut: "Die Glaubwürdigkeit bei den Wählerinnen und Wählern." 

Doch eine Regierung Faymann kann nicht nur an Bankenkrediten und  Konjunkturpaketen gemessen werden. Ebenso ausschlaggebend wie ein neuer Stil, ein neues Miteinander zwischen SPÖ und ÖVP, wird auch der Umgang mit den wieder erstarkten Rechtsparteien FPÖ und BZÖ sein.

Zur Erinnerung: SPÖ und ÖVP erlitten bei der Wahl im September eine historische Niederlage. Beide landeten bei weniger als 30 Prozent der Stimmen. Das gespaltene rechte Lager kam gemeinsam auf annähernd gleich viel Stimmen wie der relative Wahlsieger SPÖ.

Das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) unter der Führung von Jörg Haider überholte gar die Grüne Partei. Haider selbst, der die österreichische Innenpolitik in den vergangenen 20 Jahren geprägt hat wie kein anderer Politiker, kam vor wenigen Wochen bei einem Autounfall ums Leben. Sein politisches Vermächtnis, populistische und ausländerfeindliche Politik, ist gemessen am Wahlergebnis lebendiger als je zuvor.

Den Regierungsmitgliedern stünde es angesichts dessen nicht schlecht an, würden sie sich zu Beginn der neuen Legislaturperiode die vergangenen 20 Monate noch einmal Revue passieren lassen. Der Erfolg der Rechtsparteien war nicht alleine das Verdienst von Haider oder Heinz Christian Strache (FPÖ), er ist vor allem auch der Politik von SPÖ und ÖVP verschuldet.

Beide Parteien sahen im vergangenen Wahlkampf davon ab, sich klar und eindeutig von den Parolen von FPÖ und BZÖ zu distanzieren. Im Gegenteil ließen sie sich Inhalte und Stil von Strache und Haider diktieren. Wie das Kaninchen vor der Schlange sprangen beide auf einen populistischen Kurs mit auf.

Die SPÖ ganz unverblümt, indem sie mittels Leserbrief in der Kronen Zeitung ihren EU-Kurs aufkündigte und sich künftig bei Vertragsränderungen für Volksabstimmungen im eigenen Land aussprach. Die ÖVP wollte mit einer schärferen Asylpolitik gefallen und verwies auf "Ausländergettos" in Wien.