Die somalische Islamistengruppe ICU hatte in den vergangenen Tagen mehrfach gedroht, sie nähmen den Kampf gegen die Seeräuber auf. Nach dem Auftauchen von ICU-Kämpfern in der somalischen Region Haradhere, vor der die Sirius Star Anker geworfen hatte, wurde das Schiff mittlerweile wieder in offene Gewässer dirigiert. Wegen der internationalen Marinepatrouillen könne es aber nicht zu weit auf hohe See fahren, erklärte die Seeleute-Organisation East Africa Seafarers Programme.

Am Abend meldete sich erstmals der polnische Kapitän des gekaperten Öltankers zu Wort. Marek Niski sagte, die Besatzung habe "keinen Grund zur Klage" über die Behandlung durch die Piraten. Er habe mit seiner Familie telefonieren können, sagte er. "Uns wurde versprochen, dass wir schon bald wieder mit unseren Familien sprechen können. Für uns ist das am wichtigsten."

Nach Angaben arabischer Medien fordern die Piraten für die Herausgabe des Supertankers mittlerweile 15 Millionen US-Dollar (12 Millionen Euro). Zuvor hatten sie 25 Millionen Dollar verlangt. Nach Verhandlungen mit dem somalischen Vize-Ministerpräsidenten Ahmed Abdulsalam, der zum gleichen Stamm wie die Seeräuber gehöre, hätten sie ihre Geldforderung für das Schiff und die Freilassung der Besatzung jedoch gesenkt.

Die Piraten hatten den Supertanker, der einer Tochtergesellschaft des saudischen Konzerns Aramco gehört, mitsamt seiner 25 Besatzungsmitglieder am 15. November etwa 450 Seemeilen südöstlich von Kenia gekapert. Das mit Öl im Wert von 100 Millionen Dollar beladene Schiff ist die bislang größte Beute der Piraten. Insgesamt halten derzeit etwa ein Dutzend Schiffe und mehr als 200 Seeleute fest, darunter auch der unter der Flagge Hongkongs fahrende iranische Frachter Delight , der vorige Woche mit 36.000 Tonnen Getreide gekapert worden war.

Währenddessen geht die Diskussion um die Sicherheit am Horn von Afrika weiter. Eine Gruppe von Reedern sprach sich erstmals für eine komplette Seeblockade aus. Die Nato könne Marinepatrouillen in dem Gebiet organisieren, sagte Peter Swift, Leiter des Verbands unabhängiger Tankerbesitzer (Intertanko). Derzeit überlegten sowieso immer mehr Schiffsbesitzer, den Umweg über Südafrika zu nehmen, um Piratenangriffen zu entgehen. Dadurch verteuerten sich die Fahrten jedoch um 30 Prozent.