20 Milliarden US-Dollar frisches Eigenkapital und über 300 Milliarden Dollar als Bürgschaft: Diese astronomische Summe braucht die Citigroup, um zu überleben. Der ohnehin schon unter einer explodierenden Verschuldung ächzende amerikanische Fiskus hat keine andere Wahl, als ein zweites Rettungspaket für die einstmals größte Bank der Welt zu schnüren. Bereits im Oktober musste er die Bank mit 25 Milliarden Euro stützen. Die Citigroup ist schlicht too big to fail. Würde das Institut Pleite gehen, könnten andere Großbanken und sogar ganze Industrienationen mit in den Strudel gerissen werden.

Das einzig Beruhigende an der milliardenschweren Rettungsaktion: Die amerikanische Regierung hat aus ihren Fehlern gelernt und riskiert nicht mehr wie vor einigen Wochen bei der Lehman-Pleite einen Domino-Effekt in der Finanzbranche. Weil auch die meisten anderen Regierungen erkannt haben, dass jede größere Bankenpleite einen GAU im Finanzsystem auslöst, kann man davon ausgehen, dass sich eine Bankeninsolvenz bei tatenlos zusehenden Staatsorganen nicht so schnell wiederholen dürfte.

Doch damit ist schon Schluss mit den guten Seiten der Citigroup-Rettung. Die Misere des globalen Finanzkonzerns zeigt überdeutlich, wie viel Sprengstoff noch in den Bankbilanzen vorhanden ist. Naiv wäre derjenige, der glaubt, dass mittlerweile ein großer Teil der Verluste verdaut sind. Es ist nicht auszuschließen, dass weiteren Großbanken praktisch über Nacht die Luft ausgeht. Unmöglich ist es hingegen zu prognostizieren, wen es als Nächstes treffen wird. Zu komplex sind die Finanzvehikel, zu intransparent die Bankenbilanzen.

Zwar bleibt den Regierungen der Industrienationen keine andere Wahl, als ihre taumelnden Kreditinstitute mit Milliardenbeträgen zu stützen, wenn sie nicht den Zusammenbruch der weltweiten Finanzsysteme riskieren wollen. Dennoch wird sozusagen der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, weil die Verluste der privaten Finanzwirtschaft auf den Steuerzahler umgelegt werden.

Die Rettungsaktionen produzieren immense Zinskosten für den Staat und lasten noch über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte auf den öffentlichen Haushalten. Das Geld, das heute in die kranken Banken gepumpt wird, fehlt morgen in der Wirtschaftsförderung und bei der Bildung. Auch wird durch steigende Steuerlasten den Verbrauchern Kaufkraft entzogen.

Es droht eine schleichende Erosion der staatlichen Kreditwürdigkeit. Je höher die Schulden eines Staates im Verhältnis zu seiner Wirtschaftskraft, umso eher droht eine Bonitätsherabstufung durch die Ratingagenturen. Dann verteuern sich die ohnehin schon hohen Zinsbelastungen nochmals kräftig.

In dieser Lage könnten auch große Industrienationen auf die Idee kommen, das Problem mit Hilfe der Notenpresse zu lösen. Schon jetzt werden die Märkte von den Zentralbanken mit Liquidität geflutet. Noch ist kein Anstieg der Inflation zu beobachten. Doch die Masse des in den Geldmarkt injizierten staatlichen Geldes kann innerhalb kürzester Zeit zu einer Kettenreaktion führen. Wenn Bargeldbestände in Sachwerte oder Rohstoffe umgeschichtet werden, weil das Vertrauen in die staatliche Zahlungskraft schwindet, kann die Inflationsspirale in Windeseile zum Drehen gebracht werden.

Noch profitieren Staatsanleihen von der Flucht der Anleger aus Aktien und Unternehmensanleihen. Die Kurse sind hoch, die Renditen entsprechend niedrig. Doch wenn die Kombination aus bröckelnder Bonität und steigender Inflation eintreten würde, dann wären staatliche Schuldverschreibungen die großen Verlierer.