Das frühere RAF-Mitglied Christian Klar kommt im Januar nach 26 Jahren Haft wieder auf freien Fuß. Von dem inzwischen 56-Jährigen gehe keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit aus, entschied das Oberlandesgericht Stuttgart. Er habe schon lange und "unmissverständlich" vom bewaffneten Kampf Abstand genommen und 1998 an der Auflösung der "Roten Armee Fraktion" mitgewirkt. Nach Angaben der Richter wurde bisher kein früheres RAF-Mitglied nach der Haftentlassung wieder einschlägig straffällig.

Die Richter bemängelten allerdings, dass Klar sich bis heute nicht von seinen Taten distanziert hat, für sie eine schwere Belastung für die Opfer und ihre Angehörigen. Für die allein entscheidende Frage, ob Klar künftig weitere schwere Straftaten begehen werde, sei dies nach Einschätzung der Sachverständigen aber nicht ausschlaggebend. Das Gericht hatten als Grundlage für ihre Entscheidung zwei Sachverständigengutachten und eine Stellungnahme des Bruchsaler Gefängnisses eingeholt, in dem Klar inhaftiert ist. Außerdem hörten sie das frühere RAF-Mitglied selbst an.

Nach dem Beschluss der Richter wird die Haftstrafe nun zum 3. Januar 2009 zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungszeit läuft fünf Jahre. Klar steht solange unter der Aufsicht eines Bewährungshelfers und muss Auflagen zur Meldung seines Wohnsitzes und seiner Arbeitsstelle erfüllen.

Klar gehörte zu den führenden Figuren der zweiten RAF-Generation, die für die Anschläge im "Deutschen Herbst" des Jahres 1977 verantwortlich war. Die zweite Generation setzte die Terrorserie als bewaffneten Kampf gegen das "imperialistische System" fort. Klar gilt neben Brigitte Mohnhaupt als einer der Anführer der zweiten Generation.

Ihr Hauptanliegen wurde die Befreiung der ersten Generation aus der Haft. Klar wurde im November 1982 gefasst und 1985 wegen gemeinschaftlich verübten Mordes an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto sowie deren Begleitern zu lebenslanger Haft verurteilt.