Selma Lagerlöf war eine starke Frau und eine große Schriftstellerin. An ihrem 150. Geburtstag feiern sie die Schweden auch als "unsere erste Krimi-Königin": Das Stockholmer Stadttheater bringt die Roman-Trilogie Die Löwenskölds neu dramatisiert auf die Bühne und verspricht einen "Thriller über Liebe, Rache und Versöhnung".

Als Lagerlöf 1909 als erste Frau von der Schwedischen Akademie den Nobelpreis zuerkannt bekam, waren Krimis aus diesem Land noch keine unwiderstehlichen Kassen- und Exportschlager. Die Jury hob denn auch ganz andere Eigenheiten der Lagerlöf-Bücher hervor: "Ihre Dichtung wird geprägt von edlem Idealismus, Reichtum an Fantasie und seelenvoller Erzählweise." Lagerlöfs 1891 erschienenes Roman-Debüt Gösta Berling, das zweibändige Werk Jerusalem (1901/02) und vor allem Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen (1906)hatten die 1858 geborene Gutsherren-Tochter international erfolgreich gemacht.

Mit dem berühmten Preis kam weiterer Ruhm und nicht zuletzt Wohlstand. Lagerlöf konnte den väterlichen Gutshof Mårbacka im westschwedischen Värmland zurückkaufen. Hier lebte sie bis zu ihrem Tod am 16. März 1940. Heute ist Mårbacka ein viel besuchtes Museum. Selma Lagerlöf wurde fünf Jahre nach dem eigenen Nobelpreis wiederum als erste Frau Mitglied der Schwedischen Akademie, die jedes Jahr über die begehrteste Literaturauszeichnung der Welt entscheidet.

Von 1933 an beteiligte sich die Autorin an Hilfsaktivitäten für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland. Sie blieb unverheiratet und hielt ihre Liebesbeziehung mit der Schwedin Valborg Olander jahrzehntelang geheim. 1939 wandten sich Freunde mit der Bitte an sie, der jüdischen Lyrikerin Nelly Sachs (1891-1970) und deren Mutter in letzter Minute zur Flucht aus Deutschland zu verhelfen. Die über 80-jährige Lagerlöf war schon zu krank, aber Nelly Sachs' Flucht mit der Mutter gelang dennoch. Die Deutsche blieb in Schweden und bekam 1966 ebenfalls den Nobelpreis.

In Deutschland bringt der Taschenbuchverlag dtv zu ihrem 150. Geburtstag die bekanntesten Lagerlöf-Bücher in einer Neuauflage heraus. Immer wieder werden ihre Stoffe verfilmt, so zuletzt Jerusalem vom dänischen Oscar-Preisträger Bille August und Der Kaiser von Portugallien aus dem Jahr 1914 als TV-Serie. Nach dem Tod Lagerlöfs sagte Hjalmar Gullberg, als er den Platz der Schriftstellerin in der Schwedischen Akademie übernahm: "Sie war die Königin unserer Literatur und die berühmteste der schwedischen Frauen seit der Heiligen Brigitte."