Es war die große Chance für die Chefs von General Motors (GM), Ford und Chrysler, die Politiker in Washington zu den dringend benötigten Staatshilfen zu bewegen. Vor den Anhörungen galt es als sicher, dass die Topmanager mit guten Nachrichten zurück in ihre Konzernzentralen kommen. Sie wollten die Entscheider am Capitol Hill vom Ernst der Lage und von ihrer Fähigkeit überzeugen, mit dem Geld der Steuerzahler ihre Konzerne wieder wettbewerbsfähig machen zu können.

Doch sie haben ihre Chance nicht genutzt. Insider in der Auto-Stadt Detroit waren entsetzt über das arrogante Auftreten der Manager, allen voran GM-Chef Rick Wagoner, dessen Unternehmen einer Pleite derzeit am nächsten steht. Die Wahrscheinlichkeit Staatsgelder zu bekommen, so die einhellige Meinung, ist jetzt geringer als vor den Anhörungen.

"Ich sehe nicht, wie wir uns hier in den nächsten Tagen vorwärts bewegen sollen", räumte Demokrat Chris Dodd ein. Der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat hat sich für einen Gesetzesentwurf eingesetzt, der den Autobauern 25 Milliarden Dollar aus dem 700 Milliarden schweren Hilfspaket für die Finanzbranche gewähren soll. Doch dafür lässt sich nun wohl endgültig keine Mehrheit finden. Die Topmanager und der Chef der führenden Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), Ron Gettelfinger, haben die Politiker in Washington mit ihrer realitätsfernen Haltung und ihren oberflächlichen Antworten zu sehr gegen sich aufgebracht.

Wie lange kann GM ohne staatliche Hilfen überleben? Wie wollen Sie das Geld zurückzahlen? Wie können wir sicher sein, dass Sie nicht in wenigen Monaten wieder hier stehen, und noch mehr Geld fordern? Auf die Fragen der Senatoren hatten die Autobauer oft nur Allgemeinplätze zu bieten. "Vor der Finanzkrise waren wir auf einem guten Weg, uns zu restrukturieren", sagte GM-Chef Ron Wagoner, der seit acht Jahren an der Spitze von Amerikas größtem Autobauer steht. Dabei hat sein Konzern bereits im Jahr 2007 einen Nettoverlust von knapp 40 Milliarden Dollar ausgewiesen.

Um die Fortschritte seines Konzerns noch einmal zu betonen, schaltete GM gestern eine ganzseitige Anzeige im Wall Street Journal, die Beispiele für die "aggressiven Schritte" gibt, um "GM für einen langfristigen Erfolg zu positionieren". Wagoners Mitstreiter dagegen betonten wiederholt, dass sie neu in der Autobranche seien und deshalb nicht für die Fehler der Vergangenheit verantwortlich gemacht werden können. Ford-Chef Alan Mullaly kommt vom Flugzeugbauer Boeing und ist im September 2006 zu Ford gestoßen. Chrysler-Chef Robert Nardelli war bis zuvor Chef der Baumarktkette Home Depot und wechselte im August 2007, nachdem der Finanzinvestor Cerberus Chrysler übernommen hatte, in die Autobranche.

Auch mit ihrer zentralen Forderung, die Autobauer unter keinen Umständen in die Insolvenz gehen zu lassen, sind die Manager und der Gewerkschaftsvertreter gescheitert. "Wenn wir Gläubigerschutz beantragen müssen, dann wird niemand mehr bei GM, Ford oder Chrysler ein Auto kaufen", argumentierte Ron Gettelfinger.