"Wir müssen damit rechnen, dass das kommende Jahr, zumindest in den ersten Monaten, ein Jahr schlechter Nachrichten wird", sagte Merkel der Welt am Sonntag . Die weltweite wirtschaftliche Entwicklung lasse sich derzeit noch unsicherer vorhersagen als sonst. Mit dem Konjunkturpaket der Bundesregierung solle Bürgern und Unternehmen eine Brücke gebaut werden, "damit es 2010 wieder aufwärtsgeht".

Als Ziel nannte die Kanzlerin, die Arbeitsplätze in Deutschland vor den Auswirkungen der internationalen Finanzkrise zu schützen. Dazu beitragen soll auch das EU-Konjunkturpaket für Innovationen, etwa in der Telekommunikation zum Ausbau schneller Breitbandanschlüsse.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hält jedoch das geplante Konjunkturprogramm der Regierung über fünf Milliarden Euro für nicht ausreichend. Der CSU-Politiker forderte deshalb erneut Steuersenkungen. "Der Konjunktur würde helfen, wenn wir jetzt die Steuern für kleinere und mittlere Verdiener senken", sagte er dem Spiegel . CSU-Chef Horst Seehofer forderte Merkel auf, Steuersenkungen noch vor der Bundestagswahl zu beschließen. Er schlug vor, der SPD im nächsten Koalitionsausschuss ein gemeinsames Steuerkonzept der Union vorzulegen.

Seehofer hatte wie andere CSU-Politiker kritisiert, dass die CDU das Steuersenkungsprogramm der CSU zuerst abgelehnt hat und nun selbst dafür wirbt – es aber erst nach der Bundestagswahl umsetzen will. Rufe nach Steuerentlastungen kamen erneut auch vom Wirtschaftsflügel der Union. Der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs forderte statt "kurzatmiger Konjunkturprogramme" dauerhafte Steuersenkungen und höhere Freibeträge. Das schaffe Binnennachfrage.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla kündigte für den CDU-Parteitag in einer Woche aber lediglich den Grundstein für ein Entlastungspaket für Familien und Arbeitnehmern an. Solide Haushaltpolitik müsse mit dem Ziel "Mehr Netto vom Brutto" in Einklang gebracht werden, nannte er als Kompromissformen. Dazu will die CDU die "kalte Progression" im Steuertarif entschärfen. Außerdem will sie die Einführung eines Familiensplittings beschließen.

Der Chef des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, setzte sich ebenfalls für kräftige Steuerentlastungen ein. Er warf der Bundesregierung vor, sie gehe "zu kleinteilig" gegen die Rezession vor. Notwendig seien deutliche Anreize für die Konsumenten. "Es wird darum gehen, den Mut zu haben, mit einer massiven Steuersenkung bei der Einkommensteuer wirklich Luft zu schaffen", sagte er.