Im Zuge der Finanzmarktkrise will mein Arbeitgeber (Branche: Finanzprodukte) mich von sofort an in die Vertriebsabteilung versetzen, voraussichtlich das gesamte Jahr 2009 - als Einzige aus meiner jetzigen Abteilung, weil ich Vertriebserfahrung habe. Das ehrt mich, und ich möchte mich dieser Herausforderung gerne stellen. Allerdings werde ich keinen neuen Arbeitsvertrag erhalten. Ich gehe jedoch sehr stark davon aus, dass sich meine Arbeitszeiten und mein tägliches Pensum deutlich erhöhen werden. Kann ich jetzt nach einer Gehaltserhöhung fragen? Was passiert mit der ursprünglichen Bonusvereinbarung für 2008?

fragt Nadine Schneider

Sehr geehrte Frau Schneider,

Sie schreiben leider nicht, was Sie bisher taten und wie Ihr Einsatzort bislang aussah, also wie sich die wesentlichen Arbeitsvertragsbedingungen gestalten. Generell bestimmt der Arbeitsvertrag Ihren Arbeitsort und die von Ihnen zu verrichtenden Tätigkeiten. Ihr Arbeitgeber kann Ihre Versetzung an andere Arbeitsorte aber auch einseitig bestimmen. Allerdings nur, sofern eine solche Klausel in Ihrem Arbeitsvertrag steht oder so weit das Weisungsrecht greift. Ich gehe aber davon aus, dass bei Ihnen im Arbeitsvertrag auch eine "Weite Versetzungsklausel" festgeschrieben ist.

In Ihrem Arbeitsvertrag müsste sich zum Beispiel folgender Wortlaut finden:

"Der Arbeitgeber behält sich vor, den Arbeitnehmer innerhalb des Unternehmens unter Beachtung der Kenntnisse und Fähigkeiten auch auf anderen Stellen zu beschäftigen. Mindert sich das Gehalt im Falle einer Versetzung aufgrund einer notwendig werdenden Eingruppierung in einer tieferen Vergütungsgruppe, so darf die Eingruppierung nicht mehr als zwei Vergütungsgruppen unterhalb der bisherigen Vergütungsgruppe vorgenommen werden."

Auch hat, sofern vorhanden, der Betriebsrat ein Wörtchen mitzusprechen. Relevant ist dann das Betriebsverfassungsgesetz, was den Begriff "Versetzung" besonders definiert. Demnach ist zwischen dem Gesetz und dem Vertrag zu unterscheiden. Eine Versetzung im betriebsverfassungsrechtlichen Sinne ist die Zuweisung eines anderen Arbeitsbereiches, die voraussichtlich länger als einen Monat dauert. Oder, wenn sie kurzfristig und mit einer erheblichen Änderung der Arbeitsumstände verbunden ist.

Ob es sich um einen anderen Arbeitsbereich handelt, klären Art und Umfang der neuen Tätigkeit. Doch Vorsicht, nicht jede Zuweisung von zusätzlicher oder jede Wegnahme von Aufgaben stellt eine Änderung Ihres Bereiches dar - sondern nur eine, die zu einem grundlegend abweichenden Arbeitsbereich führt. Das ist zum Beispiel nicht der Fall, wenn einem Kreditsachbearbeiter der Kundenberatung die Betreuung von Altkunden entzogen wird.

Für die Änderung des Arbeitsbereiches ist auch die Art der Eingliederung in die betriebliche Organisation von erheblicher Bedeutung. Das gilt insbesondere für größere Betriebe. Änderungen des Arbeitsbereiches wären beispielsweise der Wechsel von der Forschung in die Produktion oder von einer Hauptabteilung in eine andere.

Eine Änderung des Ortes ist dann eine Versetzung, wenn es zu einem erheblich veränderten Anfahrtsweg führt, wenn Sie also beispielsweise ein anderes Verkehrsmittel benutzen müssen. Nur der Tausch von Zimmer oder auch der Wechsel von einer Fabrikhalle in eine andere reicht nicht aus. Aber: Verändert sich Art und Umfang Ihrer Tätigkeit oder Ihre Eingliederung in die betriebliche Organisation zusätzlich, ist es eine Versetzung.