Ein Gespräch mit dem Klimaforscher und Umweltökonom Reimund Schwarze, der gegenwärtig die Beratungen in Posen begleitet.

ZEIT ONLINE: Die UN-Mitgliedsstaaten beraten in dieser Woche in Posen über die Weiterentwicklung des Kyoto-Protokolls. Was sind die drängendsten Aufgaben der Konferenz?

Reimund Schwarze: Am wichtigsten ist, die Entwicklungsländer, vor allem China und die USA zum Mitmachen zu bewegen. Es muss der Gemeinschaft gelingen, ein Klimaschutzabkommen zu finden, das langfristig Bestand hat und alle Nationen einbezieht, die viel CO2 ausstoßen. Das betrifft vor allem die USA und China. Wenn wir sie bis 2020 nicht ins Boot holen, bleiben alle unsere Anstrengungen nutzlos.

Bislang besteht China aber darauf, bis 2080 seine CO2-Emissionen überhaupt nicht zu begrenzen. Wir müssen in Posen oder spätestens auf der Nachfolgekonferenz in Kopenhagen eine Architektur finden, die es ermöglicht, dass diese Länder sich am Kyoto-Folgeabkommen beteiligen – vielleicht nicht sofort, aber zumindest in absehbarer Zeit.

ZEIT ONLINE: Wie soll das gehen?

Schwarze: Wir dürfen nicht einfach das Kyoto-Abkommen kopieren. Das wäre zum Scheitern verurteilt. Stattdessen müssen wir neue, flexible Lösungen finden. Zum Beispiel sollten Länder, die einen überraschenden Wirtschaftsboom erleben, die Möglichkeit haben, die Last ihrer CO2-Emissionsrechte zu reduzieren. Sonst steigen sie womöglich ganz aus dem Abkommen aus.

Das Gleiche gilt umgekehrt aber auch für Länder mit einem überraschenden Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität: Sie sollten weniger CO2-Rechte zugestanden bekommen als ursprünglich vereinbart. Russland beispielsweise hält derzeit viel mehr Emissionsrechte, als es braucht. Für das Land bedeutet das Extragewinne. Um so etwas zu vermeiden, müsste das CO2-Guthaben wiederkehrend im Verhältnis zu seiner wirtschaftlichen Entwicklung berechnet werden.