Vergangene Woche wurde es vollzogen: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) kassiert in den kommenden vier Jahren satte 1,65 Milliarden Euro für die Fernsehrechte der Ersten und Zweiten Bundesliga. Das ist mehr als unter den widrigen Umständen erwartet worden war. Von Finanzkrise anscheinend keine Spur.

Im Gegenteil: Der Kontrakt spült den Profivereinen mit durchschnittlich 412 Millionen nach Angaben des Dachverbandes jährlich sogar sieben Millionen Euro mehr in die Kassen. Auch für die Fans vorm Fernseher bleibt prinzipiell alles beim Alten: Sie können sich Fußball wie bisher auf Premiere, ARD und ZDF anschauen.

Soweit so gut. Doch die neuen Gegebenheiten, allen voran die neuen "Salami"-Spielpläne, bringen auch Verlierer hervor: Frank Juchert, Vorsitzender des Bezirksligisten TuS Bodenteich macht sich Sorgen, weil ab der nächsten Saison ein Sonntagsspiel der Bundesliga um 15.30 Uhr angepfiffen wird und damit zur Kernzeit des Amateurfußballs. Die Allgemeine Zeitung zitiert aus einem Brief, den Juchert dem Vorsitzenden der Ehrenamtskommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Karl Rothmund, geschrieben hat: Das "Nebeneinander von Amateur- und Profifußball sichert den Amateuren Nachwuchs und Besucher, weil die Spiele nicht mit Übertragungen der Bundesliga kollidieren und dient der Kommunikation auf dem Sportplatz. Alles das wird durch eine Ausdehnung der Spielzeiten zerstört."

Letztlich sah sich auch DFB-Präsident Theo Zwanziger genötigt, laut über Ausgleichszahlungen für Amateurvereine nachzudenken: "Wird der Nachweis zweifelsfrei erbracht, sind für betroffene Vereine Ausgleichssysteme denkbar."

Unklar ist auch, was die neuen Verhältnisse für die Sportschau bedeuten werden. Zwar hat die ARD erstmals auch die Rechte für die Zusammenfassung der Sonntagsspiele erworben. Doch durch das neu eingeführte Spiel am Samstag um 18.30 Uhr, vermutlich oft ein Top-Spiel, bekommt die Sportschau zeitgleiche Konkurrenz auf Premiere.

Dirk Huefnagel hat die Entwicklungen der vergangenen Wochen sehr aufmerksam verfolgt. Huefnagel ist Vorsitzender der "S 20", der wichtigsten Interessenvertretung für Sponsoren in Deutschland. Seine Aufgabe ist es, Kunden wie adidas, Coca Cola, Telekom oder Toyota lukrative Sponsoring-Verträge zu verschaffen. "Das Samstagsspiel um 18.30 Uhr bei gleichzeitiger Zusammenfassung im Free-TV ist  grundsätzlich eher kritisch zu sehen, da dies letztlich zulasten der Fans und eventuell auch der Sponsoren gehen könnte. Diese Entwicklung müssen wir genau beobachten." Verliert die Sportschau an Zuschauern, verlieren der Fußball und die Sponsoren an Reichweite.