Morgens im Taxi: In den Nachrichten läuft die Meldung, dass der Generalsekretär der Südwest-CDU, Thomas Strobl, angesichts der drohenden Wirtschaftskrise davor gewarnt hat, neue Wohltaten zu verteilen. "Ja, ja", knurrt der Taxifahrer. "Für die Banken und Konzerne haben sie Geld, aber wenn es um die kleinen Leute geht, dann muss plötzlich gespart werden." 

Wie viele der rund 1000 Delegierten, die sich am Montagmorgen zum CDU-Parteitag in die Stuttgarter Messehalle fahren ließen, wohl solche Gespräche führen mussten? Sie dürften ihnen bekannt vorgekommen sein. "An der Basis gibt es eine lebhafte Diskussion", berichtet zum Beispiel der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach. Die Menschen seien verunsichert und machten sich Sorgen.

Dass diese Debatten sich in der Stuttgarter Messehalle wiederholen könnten, erwartete Bosbach freilich nicht. "Die CDU ist eine brave Partei", glaubt er. Anarchie habe er hier nur einmal erlebt. Das sei gewesen, als Merkel bei einem Parteiabend viel zu spät kam. Da wurde das Buffet eröffnet, obwohl die Chefin noch nicht da war.

Bosbach sollte recht behalten. Zwar hatten die Antworten, die man auf die Wirtschaftskrise geben will, vor dem Parteitag auch in der CDU zumindest für etwas Streit gesorgt. Reicht das Konjunkturprogramm der Bundesregierung aus, um der Krise zu begegnen? Sollten die Steuersenkungen, die man ohnehin versprechen will, nicht jetzt sofort durchgeführt werden, auch um bei den Bürgern im Wahlkampf glaubwürdiger zu erscheinen? Zu diesen Fragen gab es unterschiedliche Ansichten.

Schon am Abend zuvor hatte die Kanzlerin in Präsidium und Bundesvorstand jedoch einen Beschluss durchgesetzt, der diese Diskussion eindeutig beantwortete. Umfassende Steuersenkungen soll es erst in der nächsten Legislaturperiode geben. Alle anderen konjunkturellen Maßnahmen stehen unter Vorbehalt. "Wir halten uns alle Optionen offen", sagte Merkel später in ihrer Parteitagsrede. Aber treiben lassen wolle man sich nicht.  

Merz geht in die offene Opposition

Es sind am Ende wenige, die gegen diese Linie offen opponieren. Am deutlichsten tut dies ein Mann, der in der Partei erklärtermaßen nichts mehr werden will: Merkels alter Rivale, der ehemalige Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz.

Ganz still wird es in dem großen Saal, als Merz ans Rednerpult tritt. Während der Rede der Kanzlerin hatten nicht wenige Delegierte über weite Strecken Zeitung gelesen. Jetzt sind sie ganz Ohr. Die kalte Progression zumindest, also die Tatsache, dass Lohnerhöhungen häufig durch Steuererhöhungen zunichte gemacht werden, die könne 2009 schon angegangen werden, fordert Merz. "Vertrauen", sagt er, könne man dadurch wecken. Nur so werde das Wahlkampfversprechen, Steuersenkungen in der nächsten Legislaturperiode vorzunehmen, glaubwürdig sein.

Wie ratlos und unsicher die Partei trotz aller demonstrativen Geschlossenheit wirklich ist, zeigt nicht zuletzt der große Beifall, den Merz für diese Rede erhält.