Parteitage fassen nicht selten unsinnige Beschlüsse. Wenn Delegierte mit dem Kurs der Parteiführung nicht einverstanden sind, sich aber an den entscheidenden Stellen nicht zu widersprechen trauen, suchen sie sich ein Ventil. So war es jetzt auch bei der CDU: Viele konservative Mitglieder sind seit Langem unzufrieden mit dem gesellschaftlichen Modernisierungsprogramm, das Angela Merkel der Partei verordnet hat, wagen aber keinen offenen Aufstand dagegen. Deshalb wichen sie in Stuttgart auf das so populäre wie patriotische Thema deutsche Sprachkultur aus – gegen den erklärten Willen des Vorstands.

Ins Grundgesetz wird der Erhalt der deutschen Sprache zum Glück trotzdem nicht kommen. Er braucht es auch gar nicht. Denn zwar mag sich der eine oder andere über eine Verlotterung des Deutschen und die Zunahme von Anglizismen und anderer fremder Einflüsse ärgern. Aber die Sprache Goethes und Schillers ist auch heute noch so attraktiv, dass sie einen besonderen Schutz in der Verfassung nicht benötigt.

Der würde ohnehin praktisch und rechtlich – selbst wenn man wollte – nichts bewirken. Oder will man die Deutsche Bahn zwingen, ihre Servicepoints Bedienstellen zu nennen? Müssen Callcenter künftig Beratungszentrum (oder besser: Warteschleife) heißen? Darf Dieter Bohlen nicht mehr im Fernsehen auftreten, weil er das Deutsche nicht richtig beherrscht – und viele seiner DSDS-Kandidaten dazu? Werden türkische Jugendliche aus der U-Bahn geworfen, weil sie eine Mischung aus Deutsch und Türkisch reden? Heißt es statt " Made in Germany " in Zukunft "Hergestellt in Deutschland"?

Nein, eine selbstbewusste, auf ihre Kultur zu recht stolze Nation hat so etwas nicht nötig. Vor allem aber wäre die Aufnahme des Deutschen als offizielle Nationalsprache ins Grundgesetz, wenn es denn ernsthaft betrieben würde, ein Affront für viele Zugewanderte. Es ist längst und aus gutem Grund Konsens, dass das Erlernen der deutschen Sprache eine Grundbedingung ist für Integration. Auch Ausländerverbände propagieren das inzwischen. Eine Deklamation in der Verfassung würde jedoch einmal mehr als ein Zeichen des Ausschlusses verstanden werden, und zwar nicht nur derjenigen, die eben (noch) nicht oder nicht richtig Deutsch sprechen, sondern aller "Fremden". Ähnlich war es vor Jahren bei der leidigen Debatte um die deutsche Leitkultur.