Die Musikpresse der vergangenen Woche erweckt den Eindruck, dass nur schlimme CDs veröffentlicht wurden. Den Reigen der verrissenen eröffnet Britney Spears. Harald Peters schreibt in der Welt über ihr neues Album Circus, es sei "konzeptuell wie künstlerisch ein großer Schritt zurück, eine leider unausgegorene Liedersammlung, die zur Gewinnmaximierung einfach jeder Zielgruppe gefallen will, dem Vater, der Tochter, der Mutter, dem Sohn".

Dabei übertreibe Spears es auch gern, denn "für die eher reiferen Herren, die fest zu Britneys Hörerschaft gehören, seit sie vor zehn Jahren im Video zu Baby One More Time in einer Schuluniform ins öffentliche Bewusstsein hüpfte, ist hingegen ein Stück wie MMM Papi gedacht. Darin stöhnt sie mit Kleinmädchenstimme Dinge wie 'Ooh papa, ohm papi, oh lovey, oh papi', während zu einem besonders einfallslosen Beat eine 60er-Jahre-Surfgitarre angeschlagen wird – konsequenter wurde Erotik nur selten in Verruf gebracht."

Tobias Rapp beschreibt in der taz, wie es dazu kommen konnte. "Britneys Vater Jamie Spears hat die Kontrolle über ihr Leben übernommen. Zusammen mit ihrem Manager Larry Rudolph, der mit den schönen Worten zitiert wird: 'Ihr Job ist es, Britney Spears zu sein, und unglücklicherweise hat das eine innige Verbindung mit ihrem persönlichen Leben. So kommt es zu dieser merkwürdigen Situation, in der sie ständig Sicherheitspersonal um sich braucht.' Das sind wahre Worte. Wenn der größte weibliche Star seiner Generation zu sein bedeutet, dass man nur noch betreut singen und betreut leben kann, ist das wirklich eine 'merkwürdige Situation'."

Tragisch. Rapp wünscht sich die Britney der letzten Jahre zurück, denn "im Nachhinein haben die Drogeneskapaden und Ausgehnächte ohne Unterwäsche etwas herzerfrischend Anarchisches".

Weitere Watschen erteilt die Presse dem neuen Album Chinese Democracy von Guns’n’Roses. Diedrich Diederichsen schreibt in der SZ: "Sie versuchen, die Volkspartei des Mainstream-Rock per stilistischer Akkumulation neu zu begründen. Folglich erklingt hier alles, was die letzten zwanzig Jahre von Rock-Abweichlern hervorgebracht wurde: neurotischer Rock-Techno à la Nine Inch Nails, sentimental-tiefes Greinen aus verletzter Singersongwriterseele, Beats mit Breaks, Sound-Effekte, die ans Naturschöne gemahnen (Winde, Wellen), auch dunkle, böse und alternative Metal-Spielarten in homöopathischen Dosen, dazu prominente Gitarrensoli aller Provenienz, vom waidwunden Aufheulen des klassischen Soft-Metal bis zum experimentellen Gehacke eines zeitweiligen John-Zorn-Kollaborateurs namens Buckethead."