ZEIT ONLINE: Herr Fetchenhauer, haben die Medien die Wirtschaftskrise herbeigeschrieben?

Fetchenhauer: Ich halte es da mit dem Satz: Don’t kill the messenger - töte nicht den Boten, der eine schlechte Nachricht bringt. Nach meiner Wahrnehmung haben die Medien sogar zögerlich reagiert und nichts aufgebauscht. Wenn die OECD voraussagt, dass im kommenden Jahr mehr als 700.000 Menschen in Deutschland ihren Job verlieren werden, ist das sehr real. Natürlich macht das den Menschen Angst.

ZEIT ONLINE: Orientieren sich die Bürger denn an solchen Prognosen?

Fetchenhauer: Die meisten durchschauen die Krise in ihrer Komplexität nicht, sondern reagieren eher kurz entschlossen. Sie denken: Wenn es erst Mercedes schlecht geht, wie soll es dann um mich stehen? Zuletzt sind Unternehmen und Banken in Schieflage geraten, die als unverwundbar galten. Die Menschen ziehen daraus ihre Schlüsse.

ZEIT ONLINE: Sie sparen lieber als zu konsumieren.

Fetchenhauer: Ja, das ist tragisch, aber völlig vernünftig! Die Bundesregierung ist hierfür außerdem mitverantwortlich. Die Botschaft der jüngsten Reformen war: Ihr müsst selbst mehr Vorsorge treffen, statt nur nach dem Staat zu rufen. Jetzt aber wirft man es den Bürgern vor, wenn sie 1000 Euro im Monat mehr auf das Sparbuch legen. Das ist absurd.

ZEIT ONLINE: Aus der Warte eines Wirtschaftspsychologen: Macht die Bundesregierung ihre Sache derzeit gut?

Fetchenhauer: Nein. Statt verantwortungsvoll zu handeln, schielt sie auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr. Die Taktik scheint zu sein, den Bürgern das Schlimmste für das kommende Jahr anzukündigen, um dann darauf zu hoffen, dass es nicht so arg kommt. Geht es gut aus, steht die Kanzlerin im Wahljahr als Retterin da. Der Preis ist eine große Verunsicherung bei den Bürgern.