Eine Ära kooperativer Klimapolitik verspricht Barack Obama , der künftige Präsident des zweitgrößten Klimaverschmutzers der Welt. Ausgerechnet die Europäer freilich buchstabieren derzeit ihre kooperative Klimapolitik ganz anders, während im polnischen Poznan über die Grundlagen eines neuen Weltabkommens verhandelt wird.

Italien droht das EU-Klimapaket durch ein Veto zu blockieren, Polen, Tschechien und überhaupt die ostmitteleuropäischen Neulinge wollen vom Maßnahmenbündel erst noch überzeugt werden, und Auto-Deutschland treibt angesichts sinkender Absatzzahlen die CO2-Abgaswerte fürsorglich nach oben.

Ist es um die Vorreiterrolle der Europäischen Union beim Klimaschutz also geschehen, übertrumpft die Angst vor der Krise jetzt die Angst vor der Klimakatastrophe?

Bis 2020 wollten die Mitgliedsstaaten die CO2-Emissionen um 20 Prozent senken und den Anteil der erneuerbaren Energiequellen auf 20 Prozent der Energieproduktion steigern: So hatten die 27 EU-Regierungen es sich im März 2007 beim Klimapaket 20-20-20 in die Hand versprochen. Im finsteren Weltwirtschaftskrisenwinter 2008 zögern und zaudern sie vor ihrem eigenen Schwur. Wer will es ihnen verdenken?

Zum Beispiel die internationale Wirtschaftspresse, ausgerechnet also jene Kommentatoren, die angeblich oder tatsächlich am liebsten nur auf Wachstums- und Profitraten schauen. " Die richtige Lösung wird darin bestehen, die wirtschaftliche Wiederbelebung auf saubere Energie und die Reduzierung sozialer Ungleichheiten hin abzustimmen": So macht das Pariser Wirtschaftsblatt Les Echo den Mächtigen Mut zum Auftakt der UN-Klimakonferenz. " Europa und Amerika können jetzt zeigen, dass sich Ökonomie und Ökologie auch in Krisen vereinbaren lassen", ermuntert sie die Frankfurter Allgemeine und warnt die beiden Großen zugleich: " Die Krise ist das Ergebnis eines allzu kurzfristigen Kalküls mit Finanzkapital. Es wäre falsch, mit Naturkapital ähnlich zu verfahren."

Wer weiß eigentlich, ob " der Wähler" in der Hitze der Krise tatsächlich kalte Füße bekommt angesichts möglicher kurzfristiger Kosten einer vernünftigen Klimapolitik? Und wer darf allen Ernstes behaupten, eine solche Politik könne man sich nur in guten Zeiten und an ruhigen Tagen leisten – aber nicht mehr, wenn sich die roten Zahlen in den Büchern der Wirtschaft festfressen und vor der Tür die Rezession stürmt?

Wer aus der Krise heraus will, braucht Wachstum, eine günstige Konjunktur, das ist eine Binsenweisheit der Moderne. Doch wofür das Geld ausgegeben wird, wozu Kapital, Arbeit und Intelligenz aufgewendet werden, ist eben nicht von vorneherein ausgemacht.