Es gibt Fußballtrainer, die von sich behaupten, sie hätten schon beim Einlaufen erkannt, dass ihre Mannschaft das folgende Spiel verlieren würde. Bruno Labbadia ist nach der 0:2-Niederlage im Spitzenspiel gegen Bayern München nicht ganz so vermessen gewesen. Erst nach 25 Minuten erkannte der Trainer von Bayer Leverkusen etwas, das den Zuschauern zunächst noch verborgen blieb. Labbadia rieb seine beiden Fäuste gegeneinander, um zu verdeutlichen, was er meinte: Zwei mehr oder weniger gleichwertige Gegner stoßen aufeinander, sie bekämpfen sich mit Verve, aber dann gewinnt die eine Seite schleichend die Oberhand. "Das sind Millimeter", erklärte Labbadia, Dimensionen also, die für den Laien kaum zu erkennen sind. "Aber das macht auf hohem Niveau den Unterschied aus." 20 Minuten dauerte die Inkubationszeit, dann, mit dem Beginn der zweiten Halbzeit, brach die Dominanz der Bayern voll aus.

Die Münchner hätten nichts dagegen, wenn das Spiel in Leverkusen und sein Verlauf Modellcharakter für die gesamte Saison hätten. Nach zähem Start nähern sie sich nun ihrem natürlichen Lebensraum. Mit einem hohen Sieg am Freitag gegen die TSG Hoffenheim kann Bayern erstmals in dieser Spielzeit die Tabellenführung übernehmen, das Projekt Herbstmeisterschaft, von Manager Uli Hoeneß zur vermeintlichen Unzeit ausgerufen, ist längst kein Hirngespinst mehr. "Wir müssen gegen Hoffenheim nachlegen, dann sieht es ganz gut aus", sagte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger.

Das war nicht immer so. Anfang Oktober lagen die Bayern nach einem historischen Fehlstart auf Platz elf, der Abstand zur Spitze betrug sieben Punkte. Seitdem sind die Münchner in neun Ligaspielen ungeschlagen geblieben, und hätten sie gegen die beiden Abstiegskandidaten Bochum und Mönchengladbach nicht insgesamt vier Punkte verbaselt, wären sie schon jetzt ganz vorne. "So hat alles seinen Lauf genommen", sagte Trainer Jürgen Klinsmann. "Seit zwei Monaten hat die Mannschaft einen sehr intensiven Rhythmus aufgenommen. Es macht Spaß, ihr zuzuschauen."

Für Klinsmann ist die Entwicklung ein logisches Ergebnis seiner Arbeit. "Die Mannschaft hat das locker weggesteckt", sagte er zu den anfänglichen Problemen. Dass die von ihm eingeführten Neuerungen zu Anpassungsschwierigkeiten führen würden, "ist ein normaler Prozess, auf den wir eigentlich vorbereitet waren". Eigentlich, denn in München sind die Ausschläge naturgemäß etwas heftiger als an anderen Standorten. "Beim FC Bayern geht es ein bisschen windiger zu", sagte Klinsmann. Inzwischen aber herrscht fast totale Windstille.