Nach blutigen Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen in der nigerianischen Stadt Jos ist in den überfüllten Krankenhäusern kaum noch eine Behandlung möglich. Ein Sprecher der Hilfsorganisation Oxfam sagte im britischen Rundfunksender BBC, es mangele an Medikamenten und Verbandsmaterial. Angesichts hunderter Verletzter mit Schuss- und Stichwunden könnten die Ärzte nicht alle versorgen, die Hilfe brauchten.

Während der Ausschreitungen nach einer Kommunalwahl im Bundesstaat Plateau waren am Wochenende hunderte Menschen ums Leben gekommen. Rivalisierende Banden hatten Jagd auf Bewohner der Stadt Jos im Zentrum des Landes gemacht und Wohnhäuser, Geschäfte, Moscheen und Kirchen in Brand gesteckt. Am Sonntag schien die Gewaltwelle nach dem Eintreffen von Militäreinheiten abzuebben. Die Unruhen waren nach einer umstrittenen Regionalwahl ausgebrochen.

Er habe 367 Leichen gezählt und es würden noch immer weitere Opfer in das Gebetshaus getragen, sagte Murtala Sani Haschim, der für die Registrierung der Toten zuständig war. Unter den Opfern waren demnach auch mindestens zwei Kinder. Ein Arzt in einem der Krankenhäuser der Stadt sagte, die meisten Opfer hätten Schusswunden und Verletzungen durch Macheten.

Die Gesamtzahl der Toten kann nach Behördenangaben noch weiter steigen, da Opfer bereits beerdigt worden seien. Das Militär verhängte eine 24-stündige Ausgangssperre in den am schlimmsten betroffenen Vierteln der Stadt. Soldaten patrouillierten in den Straßen, in denen ausgebrannte und umgestürzte Autos standen. 523 Personen seien verhaftet worden, sagte ein Polizeisprecher.

Jos im Bundesstaat Plateau liegt an der Grenze zwischen dem muslimisch geprägten Norden und dem christlich dominierten Süden des westafrikanischen Landes. Die Zahl der Christen und Muslime in Nigeria ist in etwa gleich hoch. Zusammen stellen sie den weitaus größten Teil der 140 Millionen Einwohner. Die neuesten Unruhen in Jos könnten wie in der Vergangenheit zu Racheaktionen in anderen Landesteilen führen. Bereits 2001 hatte es ethnisch-religiöse Zusammenstöße gegeben, bei denen hunderte Menschen starben.