Funktioniert dieser Ansatz, könnte das die Demokratie selbst grundlegend ändern, wie die Zeitschrift Newsweek glaubt. Ob der Ansatz aber funktionieren wird, weiß bisher niemand. "Wir befinden uns auf unerforschtem Gebiet", sagt Sifry. Obamas Versprechen könne "eine Büchse Würmer öffnen", also mehr Probleme als Nutzen bringen. Es könne aber auch genauso gut vielen Menschen Zugang zum politischen Prozess verschaffen und ihn transparenter machen, glaubt Sifry. Letzteres zumindest scheint Obama zu wollen. Seine Aussagen während des Wahlkampfes immerhin legen nahe, dass er Washington für dominiert von den Interessen der Reichen hält. Dass er glaubt, Reformen würden dort eher verhindert als gefördert. Und dass er mehr normale Menschen einbeziehen will, um einen Gegenpol zu den Lobbyisten zu schaffen.

Die neue Regierung glaube an die Weisheit der Masse, schreibt Newsweek und zitiert Google-Chef Eric Schmidt: "Ein offenes System bedeutet mehr Stimmen; mehr Stimmen bedeuten mehr Debatten, die zu besseren Entscheidungen führen. Eine Community wird immer eine bessere Entscheidung treffen als ein Individuum."

Wenn man sie denn lässt. Wenn nicht, kann sich eine so große selbstorganisierende Gruppe schnell gegen ihren Schöpfer wenden. "Partizipationsversprechen muss man einhalten", sagt Kajo Wasserhövel, Bundesgeschäftsführer und Wahlkampforganisator der SPD. Gerade im Internet.

Dank der engen Vernetzung und des regen Austauschs von Informationen können sich eben nicht nur positive, sondern auch negative Botschaften zügig verbreiten. Noch scheinen Obamas Unterstützer voller Hoffnung, dass er seine Versprechen einlöst. Tut er es, so glauben sie, könnte das zu einer Regierung führen, die offener und transparenter ist als alle zuvor. Und die dadurch bessere Entscheidungen fällt, denn oft folgen Abmachungen hinter verschlossenen Türen übleren Motiven als solche, die in einem nachvollziehbaren und durchlässigen Verfahren getroffen wurden.

"Doch egal, ob Obama das gelingt oder nicht", sagt Sifry, "der Geist der Selbstorganisation ist aus der Flasche."